documenta 14: Künstler machen sich über Kurator Szymczyk lustig

Kassel/Berlin. Eine Online-Unterschriftenliste von Berliner Künstlern macht sich über Adam Szymczyk  und seine Kasseler Ausstellung lustig.

Mit einer Absage hat es Kai Althoff zur documenta 13 geschafft. Die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev platzierte seinen Brief im ansonsten fast leeren Erdgeschoss im Fridericianum, die Blätter sorgfältig in einer Vitrine ausgebreitet. Vielleicht ist das ein Vorbild für eine Gruppe von Künstlern, die ihre Absage erklärt, bevor sie überhaupt eingeladen ist. Es gibt ja immer noch eine Steigerung.

„Adam Szymczyk wir wollen nicht zur documenta 14“ ist die Unterschriftenliste betitelt, die unser Interview mit dem künstlerischen Leiter der d14 im Jahr 2017 auf hna.de kommentiert (http://wirwollennichtzurdocumenta14.de). Online-Petitionen sind ja das Meinungsforum der Stunde, ob es gegen Markus Lanz geht oder für den Erhalt der Clubs und Ateliers am Kasseler Kulturbahnhof.

Adam Szymczyk.

Im nöligen „Nein, ich esse meine Suppe nicht“-Tonfall erklären 28 Kommentatoren, warum sie nicht an der documenta teilnehmen. Mit mehr oder weniger amüsanten, ironischen Begründungen: „Ich glaub die verkaufen da Regenschirme und Stadtpläne. War doch so, oder?“, mutmaßt Johanna, auf die Frage „wer zur Hölle ist Adam Szkzcmczkzc“ antwortet ein gewisser Philippovitch Ludevich-Orlova: „der hat mich angeschrieben, ob ich an irgend so’ner Provinzausstellung teilnehme.“ Benjamin Scharff steuert die Zeichnung eines „Documentatiers“ bei, mit einem vor Fäkalwörtern strotzenden Text. Hier arbeitet sich jemand ganz schön an der Weltkunstausstellung ab.

Das allerdings mit Kenntnissen der Kunstgeschichte. Das auf der Webseite abgebildete Plakat erinnert an eine Aktion von Joseph Beuys bei der legendären Harald-Szeemann-documenta 1972. Die Fußstapfen sind sehr groß.

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Wer Namen anklickt, stellt schnell fest, dass die Keimzelle die Berliner Universität der Künste (UdK) ist. Viele Unterzeichner haben dort studiert, waren Meisterschüler oder, so wie Markus Wirthmann, Gastprofessor dort. Ihr Manifest „warum dagegen“ listet 15 Punkte auf. Es geht los mit „weil dagegen sein mehr spass macht als mitzuspielen“, führt über „weil man als künstler gegen alles sein muss, was zu groß ist“ und „(daher logischerweise) gegen das größte und repräsentativste event deutschlands“ bis zu „gegen ALLES“. Ausdrücklich inbegriffen: Anbiederung, Kunstbetrieb, Etabliertheit, Heimatfilme, Kuratoren, Gott und Disneyland.

Fotos: d14-Leiter Adam Szymczyk in Kassel

d14-Leiter Adam Szymczyk in Kassel

Unsere Versuche, einige Unterzeichner telefonisch zu erreichen oder Statements per E-Mail zu bekommen, sind missglückt. Die Nummer eins auf der Liste, Daniel Chluba, könnte man am 8. Februar im Kunstraum Sur La Montagne in Berlin treffen, wo er eine „interaktive Badewannenperformance“ mit der Wellnessskulptur Dixicuzzi angekündigt hat, ein „aktionistisches Party-Wellness-Objekt“, das man auch in Bronze bestellen kann.

Szymczyk selbst schrieb uns eine gelassene Mail. Generell schätze er es, wenn sich Menschen für eine gemeinsame Sache organisierten. Oft sei aber ihre Motivation genau gegensätzlich zu dem, was sie verkündeten. Er lese den Aufruf also eher als ein „wir wollen zur documenta“.

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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