St. Elisabeth in Kassel

Veränderter Kirchenraum: Installation zur documenta 14

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Klicken Sie auf das Bild, um es in ganzer Größe zu sehen: Künstlerin Anne Gathmann wird ein 39 Meter langes Metallband ins Kirchenschiff von St. Elisabeth in Kassel hängen.

Kassel. Die Katholische Kirche in Kassel verändert 2017 den Kirchenraum von St. Elisabeth mit einem künstlerischen Eingriff.

Ein 39 Meter langes Band aus Aluminiumelementen wird die Kasseler Innenstadtkirche St. Elisabeth während der documenta 14 im nächsten Sommer prägen. In einer Kurvenform, der Schwerkraft folgend, bildet es einen poetischen Eingriff in den Raum, der dadurch in Höhe, Weite und Lichteinfall neu erlebbar sein soll.

Künstlerin Anne Gathmann setzte sich mit diesem Entwurf unter elf Bewerbern durch. Gestern wurde das Ausstellungsprojekt von Bistum Fulda und Katholischer Kirche Kassel vorgestellt. An zwei Punkten an der Decke angebracht, hängt das 550 Kilogramm schwere und 25 Zentimeter breite Band an seiner tiefsten Stelle etwas oberhalb der Köpfe der Besucher, aber nicht erreichbar.

Gathmann beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit viel mit dem Zusammenspiel von innerem Raum eines Menschen und dem äußeren Raum: Am Punkt der Begegnung dieser beiden entstehe unsere Wirklichkeit, erläuterte sie ihre Sichtweise. Die Kurvenform wecke bei ihr zudem Assoziationen zu Klangkurven und damit zum Thema Resonanz. Anne Gathmann wurde 1973 in Remscheid geboren und lebt in Berlin.

Das Band mache darauf aufmerksam, dass der Kirchenraum erfüllt sei mit Gedanken, Gebeten und Gesängen, so Projektorganisator Christoph Baumanns. „Wir stellen den Besuchern Raum, Zeit und eine Inspiration zur Verfügung.“

Dechant Harald Fischer betonte, dass sich Kunst ebenso wie Kirche mit Sinnfragen beschäftige und sich schon daraus eine enge Verbindung ergebe. Dem documenta-Publikum von nah und fern wolle man sich öffnen, direkt neben dem Hauptstandort der Weltkunstausstellung einen spirituellen Rückzugs- und Begegnungsraum anbieten.

Diözesanbaumeister Dr. Burghard Preusler erinnerte daran, dass sich die Kirche zu den letzten drei documenta-Ausstellungen mit Menschenbildern auseinandergesetzt habe. Nun habe man einen anderen Aspekt ins Zentrum stellen wollen. Bewusst sei der Auswahlprozess öffentlich abgelaufen, auch mit der Geschäftsführung und dem Kuratorenteam der documenta habe man Gespräche geführt. Dies bezog sich auf den Wirbel, den die in den Außenraum hineinreichende Ausstellung 2012 verursacht hatte (siehe Artikel rechts).

Für die Installation stehen 125 000 Euro von Bistum und Katholischer Kirche Kassel zur Verfügung. Auch ein Begleitprogramm ist geplant.

Bei der documenta 13 sorgte 2012 die katholische Begleitausstellung in St. Elisabeth für Streit. Der Kasseler Bildhauer Stephan Balkenhol hatte nicht nur den Kirchenraum, sondern auch den Turm genutzt, um seine Werke zu zeigen. So stellte er in den offenen Kirchturm die Figur eines Mannes. Es entspann sich ein heftiger Streit darum, ob eine documentafremde Ausstellung am zentralen documenta-Ort Friedrichsplatz auch außerhalb der Kirchenmauern sichtbar sein dürfe oder die dortige Lufthoheit der documenta beeinträchtige. Zudem passten künstlerische Darstellungen des Menschlichen an dieser Stelle nicht ins Konzept der d 13, so documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev.

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