Medienwirbel

Skulptur auf St. Elisabeth: "Wir ärgern uns über diese Respektlosigkeit"

Kassel. Die Skulptur im Turm der Kirche St. Elisabeth stört zwar erheblich das künstlerische Konzept der documenta 13. Dennoch will die Leitung der Weltkunstausstellung keine weiteren Schritte unternehmen, damit die Figur entfernt wird. Das sagte Geschäftsführer Bernd Leifeld am Mittwoch.

Leifeld betonte bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, die documenta werde am Friedrichsplatz durch diese nicht abgesprochene Figur des Künstlers Stephan Balkenhol dominiert. Carolyn Christov-Bakargiev, die künstlerische Leiterin, fühle sich durch dieses Kunstwerk bedroht. Es verkörpere das Gegenteil von dem, wie sie Kunst präsentieren möchte. Jeder Besucher werde die documenta 13 unter diesem Eindruck wahrnehmen.

Skulptur auf Kirchturm von St. Elisabeth

Auf die Frage, wie die documenta vorgehe, falls die Skulptur nicht entfernt werde, sagte Leifeld: „Wir sind keine Polizei. Wir wünschen uns Respekt für unsere künstlerische Arbeit, nicht mehr und nicht weniger.“ Leifeld verwies auf das Beispiel der evangelischen Kirche, die ebenfalls eine Kunstausstellung geplant habe. Auf Bitten der documenta habe man aber davon abgesehen, Kunst zu zeigen. Stattdessen gebe es jetzt Begleitveranstaltungen und ein Programm mit zeitgenössischer Musik.

Hintergrund: Wer ist der Künstler Stephan Balkenhol?

Leifeld: „Solch einen Respekt hätte ich mir auch von der katholischen Kirche gewünscht. Gefragt, ob die documenta noch einmal das Gespräch mit der katholischen Kirche in dieser Frage suchen werde, sagte Leifeld: „Die Kirche kennt unsere Position schon seit langem. Dennoch hat sie sich anders entschieden.“ Bereits 2007 habe man darum gebeten, auf eine eigene Ausstellung während der documenta 12 zu verzichten. „Schon damals gab es dieselbe Respektlosigkeit.“ Die Skulptur schränke die künstlerische Freiheit der documenta zwar ein. So oder so würden die Besucher aber „einen schönen documenta-Sommer erleben“.

Zahlreiche Pressevertreter hatten sich auf Grund der HNA-Berichterstattung über den Konflikt mit der katholischen Kirche bei der documenta gemeldet. So kam es zur kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. (w.f.)

Bistum: „Wir wollen nicht provozieren“

Warum spricht man nicht mit, sondern über uns?“ Dr. Burghard Preusler, Diözesanbaumeister des Bistums Fulda, zeigt sich erstaunt angesichts der Kritik der documenta an der Balkenhol-Skulptur im Turm der Elisabeth-Kirche. „Ich habe die documenta bislang für eine starke Veranstaltung gehalten und angenommen, sie halte auch einen Stephan Balkenhol aus“, sagt Preusler. Zumal der Glockenturm allein schon eine deutliche Abgrenzung zur documenta und zum Friedrichplatz sei.

„Wir tun das nicht, um zu provozieren“, stellt er klar. Wenn weltweite Kunst zu Gast in Kassel sei, könne auch eine weltweite Kirche ihre Räume öffnen, ist der Diözesanbaumeister überzeugt: „Ich sehe darin keine Respektlosigkeit.“ Der nun vorherrschende Ton verblüffe und erstaune ihn, sagt Preusler: „Ich habe zeitweise gedacht, die documenta versucht zu zensieren.“ Vor diesem Hintergrund sehe er derzeit keinen Anlass, an die Tür der documenta zu klopfen. „Gute Kunst ergänzt sich“, ist Preusler überzeugt. Die documenta zeige in dieser Hinsicht „eine gewisse Enge“. (abe)

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Hintergrund: Darum geht es in dem Streit

Die Skulptur auf dem Kirchturm wurde von Bildhauer Stephan Balkenhol geschaffen, der vom 3. Juni bis 18. September neue und bestehende Werke im Kirchenraum von Sankt Elisabeth ausstellen wird. Es handelt sich dabei nicht um ein documenta-Kunstwerk. Zunächst erregte die Skulptur Aufsehen, weil besorgte Passanten Polizei und Feuerwehr angerufen hatten, weil sie dachten, vom Turm des katholischen Gotteshauses am Friedrichsplatz wolle sich eine Person in die Tiefe stürzen.

Man habe nicht damit gerechnet, dass Passanten und Autofahrer die Figur für lebensecht halten könnten, sagte Projektleiter Christoph Baumanns. „Wir haben sie beim Aufbau ja immer nur aus der Nähe gesehen."

Am Dienstag hatte sich dann auch Carolyn Christov-Bakargiev, Leiterin der documenta 13, zu der Kunstfigur geäußert. Im Gespräch mit der HNA zeigte sie sich „schockiert“ über das Kunstwerk: „Ich kam aus meinem Haus und wurde von dieser großen Figur mit ausgebreiteten Armen im Kirchturm überrascht.“

Der Anblick war ein mehrfacher Schreck für die documenta-Leiterin, die vom bisher „traurigsten Erlebnis“ in Kassel sprach. Schockiert war Christov-Bakargiev, weil sie nicht über das Projekt einer Skulptur im Kirchturm informiert worden war. Traurig, weil dieses „äußerst spektakuläre Kunstwerk am höchsten Punkt des Friedrichsplatzes“ die Art und Weise konterkariere, wie die documenta 13 diesen Platz künstlerisch bespielen wolle.

Quelle: mydocumenta

Rubriklistenbild: © HNA/Fischer

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