Examen 15: Kunst bis in den letzten Winkel

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Zwischen Vorhängen von Martha Thum: Volker Wasgindt (cdw Stiftungsverbund, links) und Rektor Joel Baumann.

Kassel. Absolventen und Meisterschüler der Kunsthochschule Kassel stellen derzeit in der documenta-Halle aus. Zu sehen ist ein breites Spektrum von 30 Positionen.

Denis Bury schwärmt. Der Kurator, der schon für die Halle 14 - Zentrum für zeitgenössische Kunst in Leipzig und fürs Museum Folkwang Essen Ausstellungen eingerichtet hat, stand den 30 Absolventen und Meisterschülern der Kunsthochschule zur Seite, die bis Sonntag in der documenta-Halle unter dem Titel „Examen 15“ ihre Abschlussarbeiten zeigen: „Eine tolle Zusammenarbeit.“

Bury ist begeistert, wie „supernett und selbstständig“ die jungen Künstler waren, wie sie ein Gefühl für den Raum entwickelten, die Positionen aller Beteiligten wertschätzten, miteinander diskutierten: „Das war wirklich etwas Besonderes.“

Diesen Gemeinschaftsgeist gerade der Klasse Illustration/Comic hätte am liebsten auch die Jury des vom cdw Stiftungsverband initiierten Förderpreises ausgezeichnet, wie deren Mitglied Dirk Schwarze sagte. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wurde aufgeteilt: an Sveta Antonova, die mit gleich drei starken Arbeiten vertreten ist, und an Ines Christine Geißer. Der Zeichentrickfilm „Lucky“ der Schwestern Ines Christine und Kirsten Carina Geißer („kiin“) läuft im Kino unter der Treppe. Zudem haben sie eine Installation eingerichtet.

Der Preis soll die Absolventen möglichst an Kassel binden, sagt Volker Wasgindt, Geschäftsführer des cdw-Stiftungsverbunds, der „Examen 15“ mit 25 000 Euro gefördert hat. Gern, so Schwarze, hätte die Jury den tollen Katalog ebenfalls prämiert. Auch er hätte es verdient gehabt.

Wichtig war, erklärt Kurator Bury, dass die Arbeiten aus den unterschiedlichen Fachbereichen alle eigenständig zur Geltung kommen, sich aber möglichst inhaltlich und räumlich Bezüge zwischen den Positionen ergeben: „Wir haben die documenta-Halle bis in den letzten Winkel ausgenutzt.“

Tatsächlich lohnt es sich, die Halle (deren Mitarbeiter fantastisch Unterstützung geleistet hätten, so Bury) auch bis in die entferntesten Ecken zu erkunden, um etwa Maria Perrys 3D-Plakate, das Gruselkabinett von Erik Schäfer (mit einem seltenen Schockmoment, der hier nicht verraten werden soll), Olga Holzschuhs großartige Fotografien, Lennart Rieders Gemälde, Aufnahmen von Christina Dernedde aus dem Harz („zweiTannen“), den Wandschrank der Produktdesignerin Valeria Santagati oder Martha Thums winzige Text-Collagen nicht zu verpassen. Felix Böttcher setzt sich in einem erschütternden Raum mit dem frühen Tod seiner Mutter auseinander. Evgenia Gostrer, deren Film im Kino läuft, hat auch ihre Arbeitsplatte aufgehängt. Shpresa Faqi hat ehrenamtlich im Zeltlager der Flüchtlinge in Calden mitgearbeitet und zeigt die Zeichnungen, die sie von dort mitgebracht hat.

Anfangs, berichtet Bury, habe er gedacht: „Wie kann man für ein solches Gebäude Geld ausgeben?“ Dann habe die documenta-Halle mit ihren sehr unterschiedlichen Räumen immer mehr gewonnen. „Sie gefällt mir jetzt sehr gut. Sie hat geniale Züge.“

Examen 15: Kunst bis in den letzten Winkel

Bis 25.10., Do/Fr 13-20, Sa/So 11-20 Uhr. Die Künstler machen Aufsicht und sind ansprechbar für Fragen und kurze Rundgänge. Mit Performances (z. B. Olga Holzschuh Sa/So 19 Uhr).

Beteiligt sind bei der Ausstellung Examen 15: Sveta Antonova, Saskia Berschinski, Felix Böttcher, Anky Brandt, Christina Dernedde, Sheree Domingo, Shpresa Faqi, Ines Christine Geißer, Kirsten Carina Geißer, Stefan Geyer, Evgenia Gostrer, Olga Holzschuh, Kumi Kawahara, Florian Koch, Ilknur Kocer, Azar Pajuhandeh, Maria Perry, Franz Christoph Maria Pfannkuch, Katharina Reich, Kirsten Rothbart, Katharina Röser, Valeria Santagati, Erik Schäfer, Martha Ashley Thum, Burcu Türker, Lina Walde, Jana Wieczorek, Vincent Zurwesten und Elisabeth Zwimpfer.

Außerdem zeigen die Vorjahres-Preisträger Lennart Rieder und Susanne Wagner Arbeiten.

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