Ich geb Gas, ich will Spaß: "Lola rast" im Kasseler Aktionstheater

Schneller als die Polizei erlaubt: Lola (Tina Machulik) rast an ihren Eltern (Kate Fierley und Michael Werner) vorbei. Foto: Fischer
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Schneller als die Polizei erlaubt: Lola (Tina Machulik) rast an ihren Eltern (Kate Fierley und Michael Werner) vorbei. Foto: Fischer

Kassel. Am Anfang muss man sich wirklich Sorgen machen um Tina Machulik und ihre Lola. In „Lola rast“, dem neuen Stück des Aktionstheaters, ist die Kasseler Schauspielerin die Titelheldin, die mit einem Affenzahn auf einem Kinderrad durch das Kulturhaus Dock 4 braust. Mit ihrer Mutter liefert sie sich eine wilde Verfolgungsjagd, und selbst den Stand mit Obstkisten brettert sie über den Haufen.

Machulik ist ausgebildete Schauspielerin und Tänzerin, vermutlich könnte sie auch als Stuntfrau Karriere machen. In jedem Fall ist sie die Idealbesetzung für dieses Stück, das nicht nur Kinder ab fünf Jahren, sondern auch deren Eltern verzücken wird. Die sind oftmals leidgeplagt von schnarchnasigen Heile-Welt-Kinderbüchern wie der Conny-Reihe, die sie vorlesen müssen, wenn sie dabei nicht selbst einschlafen.

Helga Zülch vom Aktionstheater ist bei der Suche nach einem neuen Bühnenstoff dagegen auf „Lola rast und andere schreckliche Geschichten“ gestoßen, ein im Klett-Kinderbuch-Verlag erschienenes Bilderbuch des Marburger Politologen und Militärsoziologen Wilfried von Bredow, was an sich schon eine gute Pointe ist.

Mit ihrer Versform erinnern die Geschichten aus dem Kinderalltag an den „Struwwelpeter“. Es geht um den Fernsehkonsum, den Schönheitswahn und das Aufräumen, und niemals geht es gut aus. Regisseurin Zülch vertraut ganz auf die Buchtexte, ihre drei tollen Schauspieler und das Bühnenbild ihres Mannes Werner, der eine Art Riesenpuppenstube gebaut hat, um die Lola herumrast, ehe sie von einem Laster überfahren wird. „Ampel stand auf Rot, wer weiter rast, ist eben tot“, sagt der Vater (Michael Werner).

Das Schöne an den sieben Geschichten, von denen Helga Zülch vier ausgewählt hat, ist, dass sie Kindern mehr zutrauen als viele andere Bücher. Manchmal sind sie traurig, oft kann gelacht werden, und immer wird zu viel oder zu wenig Pädagogik kritisiert - etwa wenn Machulik als Lukas den ganzen Tag Fernsehen schaut, bis das Kind in der Glotze verschwindet. Seine Mutter, die Katharina-Wackernagel-artige Kate Fierley, versucht, den Jungen vergeblich festzuhalten. Selbst in seinen dramatischsten Szenen verliert „Lola rast“ nicht den Humor.

Manche Sätze aus dem Stück können die Kinder noch Tage nach der Vorstellung auswendig. Zum Beispiel: „Jawohl Mama, verlass dich drauf, morgen räum ich wirklich auf.“ Dabei sieht es zu Hause wirklich aus wie in einem Saustall.

Weitere Vorstellungen am 1., 2., 3. und 6. Juli, jeweils 17 Uhr, im Kulturhaus Dock 4 (Halle), Karl-Bernhardi-Straße. Schaulaufführungen an den selben Tagen jeweils um 10 Uhr (nur nach Voranmeldung).

Karten: 0561/77 31 42. www.aktionstheaterkassel.com

Von Matthias Lohr

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