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Gefühle wie Goldstaub

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Verfügt über viele musikalische Farben: Helen Schneider stellte in der Sparda-Bank ihre aktuelle CD „DreamA Little Dream“ vor.  Foto: Fischer
Verfügt über viele musikalische Farben: Helen Schneider stellte in der Sparda-Bank ihre aktuelle CD „DreamA Little Dream“ vor. Foto: Fischer

Kassel. Zauberhaftes in einer Bank. Wann hat man so was schon erlebt? Am Donnerstagabend in der Kasseler Sparda-Bank. Der vom Theaterstübchen initiierte „Jazzfrühling“ lud ein, und auf der Habenseite stand ein Wert, den sich Musikliebhaber auf ihrem Konto wünschen: Helen Schneider.

Fällt ihr Name, ist der Begriff „Diva“ stets in Reichweite und nie angebracht. Ihre Persönlichkeit und ihr rot-orangefarbenes Kleid schillern und funkeln, aber mit unnahbarer Glamour-Ästhetik oder Starallüren hat sie nichts gemein.

Vielmehr erlebten die Besucher im gut gefüllten Saal eine berührende Cinderella im Abendkleid. Mit ihrer grandiosen Stimme pendelt sie zwischen den Welten, als reife, attraktive Frau lässt sie verspielt und gefühlvoll wie ein Mädchen emotionalen Goldstaub über ihr Publikum rieseln. Ihre aktuelle CD „Dream A Little Dream“ ist ein persönliches Album: „Ich habe nach Stücken mit biografischer Qualität gesucht.“ Das bedeutet Rückschau. Helen Schneider tut das mit zärtlicher Dankbarkeit: „Es sind Lieder, die meine Mutter ständig gesungen hat. Ihre Popmusik war meine erste Möglichkeit, meine Seele auszudrücken.“ Das Publikum ist von ihren Erzählungen genauso berührt wie von der Art, wie sie ihre Lieblinge aus dem „Great American Songbook“ interpretiert: sinnlich, ausdrucksstark. Auch Mini Schulz (Bass), Obi Jenne (Schlagzeug) und Jo Ambross (Gitarre) erspielten sich viel Applaus.

Das Album gleicht einer Liebeserklärung, steht aber auch für die Pazifistin: „In Vietnam passierte Schreckliches. Werden Sie auch Pazifist.“ Vom schmuse-schönen Platters-Ohrwurm „Only You“ über Cohens dunkel-sehnsüchtiges „Rivers Dark“ bis zu Emmylou Harris’ Anti-Kriegslied „Bang the drum slowly“ wechseln die Farben. Als Zugabe ein mit lächelnder Distanz präsentiertes „Rock ’n’ Roll Gypsy“ und frenetischer Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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