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Gesungene Schönheits-OP

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Merle Clasen  Fotos: Fischer
Merle Clasen Fotos: Fischer

KASSEL. Bei alten Liedern erwartet man nicht unbedingt ein Chanson, das Schönheits-OPs aufs Korn nimmt. Mit den erstaunlichen Einsichten von „Wegen Emil seine unanständ’ge Lust“ und anderen handverlesenen Stücken demonstrierte das Kasseler Duo Merle Clasen (Gesang) und Thomas Krug (Piano) die Zeitlosigkeit vieler Berliner Lieder der 1920er- und 30er-Jahre.

Unter dem Motto „Wir warten auf Wunder!“ ging es im Dock 4 um große Lebensthemen und kleine Alltagsgeschichten, um Sehnsüchte, Sorgen und bizarre Träumereien. Für die oft tief gehenden Lieder brauchte es keine Federboa, keine abgestandenen Accessoires des Verruchten.

Merle Clasen ist als Chorleiterin bekannt und mit ihrer Dissertation über Brecht und Weill eine Expertin für die Epoche. Im Dock 4 traf sie charmant den sprachnahen Ton, etwa mit einem anrührenden „Wenn ick mal tot bin“ und einem kessen „Nach meine Beene“. Mit viel Fingerspitzengefühl begleitete Thomas Krug.

Kein Wunder dass die fünfzig Zuhörer animiert applaudierten. Übrigens: Wie man Emil die ästhetische Chirurgie austreibt? „Aus Liebe ans Messer, da lach ick nur. Een richtiger Mann sacht: Ick will Natur! Und macht er nich von selber Tamtam, hilft ihm ooch die neue Brust nich uff’n Damm.“

Wieder am 5. Mai und 2. Juni, 20.30 Uhr, Dock 4

Von Georg Pepl

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