"Zweifelhafte Eignung"

Gurlitt-Taskforce weist Vorwürfe der Grünen zurück

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Ingeborg Berggreen-Merkel leitet die Taskforce im Fall Gurlitt.

München - Den Grünen geht die Arbeit der Gurlitt-Taskforce im Fall Gurlitt nicht schnell genug. Die Taskforce weist das entschieden zurück, und auch die zuständigen bayerischen Ministerien betonen: „Gründlichkeit geht vor Geschwindigkeit“.

Die bayerischen Grünen gehen mit der Berliner Gurlitt-Taskforce hart ins Gericht: Die internationale Expertengruppe unter Ingeborg Berggreen-Merkel, die Nazi-Raubkunst in der umstrittenen Sammlung von Cornelius Gurlitt aufspüren soll, werde ihrer Aufgabe nicht gerecht. „Wir haben wiederholt auf die zweifelhafte Eignung der Taskforce hingewiesen“, sagte der kulturpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Sepp Dürr, am Freitag. „Dass die Taskforce mit ihrer Arbeit genauso überfordert ist wie davor die Staatsanwaltschaft Augsburg, hat sich von Anfang an gezeigt.“

Die Taskforce wies Vorwürfe, sie habe entscheidende Dokumente aus dem Nachlass des Kunstsammlers nicht angefordert, entschieden zurück. Sie habe erst vor einer Woche Zugriff auf Unterlagen aus Gurlitts Salzburger Haus bekommen. Insgesamt seien das 17 Umzugskartons gewesen, die der Nachlasspfleger der Taskforce übergab. Er selbst hatte sie nach Angaben der Taskforce erst kurz vorher erhalten. „Mehrfach wurde - schon im Jahre 2014 - gefragt, ob noch weitere Unterlagen aus dem Nachlass Gurlitt bekannt seien - was aber bis März 2015 nicht der Fall war.“

Laut „Süddeutscher Zeitung“ soll die Taskforce nicht alle Geschäftsunterlagen und Dokumente aus dem Nachlass von Gurlitt, der am 6. Mai 2014 starb, angefordert haben. Dabei geht es um eben diese Unterlagen aus Gurlitts Haus in Salzburg.

Dürrs Mitteilung ist überschrieben mit „Gurlitt-Taskforce lässt das Pfuschen nicht“. Der Grünen-Abgeordnete warf auch Bayerns Justizminister Winfried Bausback und Kunstminister Ludwig Spaenle (beide CSU) Verantwortungslosigkeit vor. Beide Minister und ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wiesen die Kritik zurück.

„Weshalb Unterlagen, die zu Lebzeiten von Cornelius Gurlitt im Besitz Dritter waren, erst im März 2015 an den Nachlasspfleger weitergegeben wurden, ist für die Taskforce nicht nachvollziehbar“, heißt es in der Mitteilung. „Ob derzeit sämtliche Unterlagen übergeben wurden, die zum Nachlass des verstorbenen Cornelius Gurlitt gehören, kann die Taskforce nicht abschließend beurteilen.“

Auch Bausback kritisierte Dürrs Generalabrechnung: „Das ist ein ganz durchsichtiger Versuch, aus den Schwierigkeiten, die jeder Provenienzrecherche innewohnen, politisches Kapital zu schlagen“, sagte er. Sein Kabinettskollege Spaenle sagte, die Arbeit der Taskforce zeige durchaus Ergebnisse, weil jetzt Bilder zurückgegeben werden können. „Die Aufgabe ist aber komplex und muss mit der nötigen wissenschaftlichen Sorgfalt erledigt werden. Gründlichkeit geht vor Geschwindigkeit.“ Grütters hat soeben die Rückgabevereinbarung für Max Liebermanns Gemälde „Zwei Reiter am Strand“ und das Bild „Sitzende Frau“ von Henri Matisse unterzeichnet.

Im Jahr 2012 wurden rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung von der Staatsanwalt beschlagnahmt. Erst zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf.

dpa

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