10.000 Euro Preisgeld

Kasseler Literaturpreis für Humor geht an Schriftstellerin Karen Duve

Ihr Humor tendiert zu Schwärze und Sarkasmus: Schriftstellerin Karen Duve. 

Kassel. Schriftstellerin Karen Duve („Taxi") bekommt 2017 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Die Preisverleihung ist am 11. Februar im Kasseler Rathaus.

Der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor wird weiblicher und jünger: Karen Duve (54, „Dies ist kein Liebeslied“ ) erhält die von der Stiftung Brückner-Kühner und der Stadt Kassel vergebene und mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung im Jahr 2017. Das gab die städtische Pressestelle am Dienstag bekannt.

Die Verleihung findet am 11. Februar im Kasseler Rathaus statt. Die Laudatio hält der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz. Wer den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis komische Literatur erhält, wird im Herbst bekannt gegeben.

Geehrt wird Karen Duve für ihre sprachkräftige Erzählkunst, die, so die Jury, das Komische vielseitig und gewagt gestalte. Das gelte für ihre engagierten und realistischen Romane, von denen einige für Film und Theater verarbeitet wurden, wie für Fantastisches, darunter ihre eigenwillige, drastisch komische Verarbeitung von Märchen der Brüder Grimm im Erzählband „Grrrimm“.

Duves Humor tendiere zu Schwärze und Sarkasmus und erprobe, wie ihr jüngster satirischer Roman „Macht“, die Grenzen des Komischen, meint der Stiftungsrat unter seinem Vorsitzenden, Literaturprofessor Walter Pape. Die 54-Jährige verhandle in dem ihr eigenen, mehrstimmigen Sound nicht nur hochbrisante Themen, sie entfalte auch ein spannungsreiches Kräftespiel zwischen ihren unterschiedlichen Büchern: „Engagement verbindet sich mit Poesie, Realismus mit Fantastik, Pathos mit Trash, Heiterkeit mit Melancholie, Zorn mit Empathie, all das durchzogen vom Grundton des Tragikomischen.“

Die gebürtige Hamburgerin, die heute auf einem Hof in der Märkischen Schweiz in Brandenburg lebt, ging nach ihrem Abitur unterschiedlichsten Tätigkeiten nach, war Korrektorin und fuhr 13 Jahre lang in Hamburg Taxi - daraus erwuchs später der Roman „Taxi“. Seit 1990 ist Duve freie Schriftstellerin. 1995 erschien ihre erste Erzählung „Im tiefen Schnee ein stilles Heim“, 1999 ihr erster Roman „Regenroman“.

Duves Spektrum reicht vom dokumentarischen Selbstversuch („Anständig essen“) bis zum Fantastischen („Die entführte Prinzessin“). Die zerstörerische Energie der Macht steht im Zentrum ihres jüngsten Romans „Macht“, den die Kritik sehr unterschiedlich aufgefasst hat. „Verrisse hat es besonders dort gegeben, wo man die satirische Ambivalenz, die auch den Leser fordert, nicht erkennen konnte oder wollte“, meint Friedrich W. Block, Geschäftsführer der Stiftung Brückner-Kühner.

Kasseler Literaturpreis

Der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, gestiftet von dem Schriftstellerpaar Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner, wird seit 1985 jährlich vergeben. Er zeichnet Autoren aus, deren Werk auf hohem künstlerischen Niveau von Komik und Groteske geprägt ist.

Der erste Preisträger war Loriot, später wurden u. a. Irmtraud Morgner, Robert Gernhardt, Dieter Hildebrandt, F.W. Bernstein, Katja Lange-Müller, Gerhard Polt und zuletzt Wolf Haas ausgezeichnet.

Die Stiftung Brückner-Kühner wirkt als Literaturzentrum auf den Gebieten des Komischen und der avancierten Poesie und unterhält das Dichterhaus Brückner-Kühner als Literaturmuseum, um die Erinnerung an das Stifterpaar wach zu halten. 

www.brueckner-kuehner.de

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