Beim Oben-Festival

Kassels unbekanntester Pop-Star: Robot Koch 

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Seine Porträts lässt er gern verfremden oder im Dunkeln: Der Kasseler Musiker Robert Koch alias Robot Koch. 

Robot Koch hat Hits für Marteria und Casper produziert, seine Musik läuft in US-Serien. Nun kehrt der Elektroniktüftler aus Los Angeles für das Oben-Festival in seine Heimat zurück.

Robert Koch ist der unbekannteste Popstar aus der Region. Bekannt geworden ist der 38-Jährige aus Baunatal-Altenritte vor einem Jahrzehnt in Berlin mit dem TripHop-Trio Jahcoozi. Als Robot Koch macht er „Pop-Musik aus der Zukunft“, wie der legendäre britische BBC-Moderator John Peel urteilte. Koch hat Hits für Stars wie Marteria, Casper und Max Mutzke produziert.

Nun lebt er in Los Angeles, wo seine Songs in US-Serien wie „The Black List“ laufen. Am 28. Mai kommt der Elektronikmusiker nach Hause und tritt beim Oben-Festival auf der Baunataler Knallhütte auf. Wir porträtieren Koch anhand der Städte, in denen er Spuren hinterlassen hat.

Los Angeles

Nach 13 Jahren in Berlin war Koch müde von der Metropole an der Spree. Seine Freundin hatte ihn gerade verlassen und er sagte sich: „Ich will in eine Stadt, in der ich niemanden kenne.“ 2013 zog er nach Los Angeles. Seitdem stellen ihm Anrufer aus der Heimat regelmäßig die Frage, ob er gerade Surfen war.

Das ist das Klischee von Kalifornien. Kochs Wirklichkeit sieht so aus, dass er von morgens bis abends an Piano und Rechner sitzt und an neuen Songs bastelt. Robot nennt er sich, weil er ein Workaholic ist und wie ein Roboter arbeitet.

Seine Musik klingt auch gar nicht nach Sonne, Strand und Surfen. Auf seinem 2015 erschienenen Album „Hypermoment“ macht er melancholischen Indietronic, bei dem meist das Piano im Vordergrund steht. Das mit Gastsängerin Delhia de France aufgenommene „Dark Waves“ lief sogar in der gefeierten US-Dramaserie „How to Get Away with Murder“.



Kassel und Nordhessen

„Meine Musik eignet sich total, um sie auf Bilder zu schneiden“, sagt Koch, der einst an eine Filmhochschule wollte, dann aber Kommunikationsmanagement in Berlin studierte.

Seine Karriere begann in der Musikschule Baunatal, wo er Schlagzeug lernte. Mit seiner ersten Band spielte er Death Metal. Weil er T-Shirts von Bands wie Slayer trug, musste er auf dem katholischen Kasseler Engelsburg-Gymnasium öfter beim Religionslehrer vorsprechen.

Koch fuhr auf Hardcore-Konzerte in den Club Akku in Immenhausen, später entdeckte er HipHop und legte im Kasseler Stammheim Techno auf. Noch heute verbindet er digitale Sounds kongenial mit echten Instrumenten.

Berlin

Koch sagt, dass er „mehr Moos als Glas mag“. Seine erwachsene Elektronik klingt wie ein Spaziergang durch einen nebligen Wald. Damit hat er schon 1999 bei der Workshop-Reihe der Red Bull Music Academy gepunktet, wegen der er einst nach Berlin zog.

Heute nennen sie ihn in Los Angeles „den Deutschen“. Wenn er sagt, dass er aus Berlin kommt, schwärmen die Amerikaner von „dieser einmaligen Stadt“. Koch entgegnet dann, dass es dort gar nicht so toll sei. Trotzdem kehrt er, so oft es geht, dorthin zurück. Bei einem Heimatbesuch hat er sich „in ein wunderbares Mädel aus Berlin verguckt“. Es ist eine romantische Pointe, dass die Liebe ihn einst vertrieb aus Berlin und er nun eine Fernbeziehung via Skype führt.

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Zur Person

Geboren: am 7. Oktober 1977 in Baunatal als Robert Koch, aufgewachsen in Baunatal-Altenritte

Ausbildung: Studium Kommunikationsmanagement

Beruf: Musiker

Das Album: „Hypermoment“ (Monkeytown). Wertung: vier von fünf Sternen

Privates: Lebt in Los Angeles, seine Freundin wohnt in Berlin

Hobbies: Yoga und Wandern

Das Oben-Festival

Das Festival: Robot Koch Zwei Tage nach dem Fest der Hütt-Brauerei und dem Dorothea-Viehmann-Wandertag findet am Samstag, 28. Mai, an der Baunataler Knallhütte das erste Oben-Festival statt. Veranstalter sind junge Kreative aus Kassel, die unter anderen den Club Unten am Kulturbahnhof betreiben - daher der Name.

Künstler: Robot Koch, Romano (HipHop), Kytes (Indie-Pop), Claire (Indie-Pop), Dark Vatter (nordhessischer Rock’n’Roll), Vögel die Erde essen (Punk, Metal und Soul), #Instantboner (LiveElektronik-Duo), Antifuchs (Rap), Joe Kickass (Rap), Basti Fabel (DJ), Der Schmeisser (DJ), Arth Goldau (DJ), Heinrich II (Indie-Pop), Miles Borghese (House), Wir bringen kalten Kaffee mit (Indie-Pop), Seau Volant (Polka und Klezmer), Cuzzle Hyopaiz (HipHop).

Karten: Ab 37,50 Euro beim HNA-Kartenservice (0561/203-204) sowie hier

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