Die Kantorei Kirchditmold und Michael Gerisch mit Bachs Johannespassion

Klarheit und Dramatik

Fast schon opernhaft: Die Kantorei Kirchditmold und das Neue Bachische Collegium Musicum. Foto: Schachtschneider

Kassel. In Bachs Johannespassion hat die siegreiche Überwindung des Todes über das Passionsgeschehen hinaus ihren festen Platz. Der Eingangs-chor „Herr, unser Herrscher“ stellt dieses Thema bereits heraus, das dann auch im Schluss-choral wieder aufgegriffen wird. Sogar in der berühmten Sterbearie „Es ist vollbracht“ bricht sich der Ausblick auf Ostern mit dem Einschub „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ bereits jubelnd Bahn.

Diese Glaubensgewissheit prägte am Sonntag die Aufführung der Johannespassion durch die Kantorei Kirchditmold in der voll besetzten Kirche. Während das eigentliche Passionsgeschehen äußerst plastisch, ja, fast schon opernhaft-szenisch zu Gehör gebracht wurde, ließ Kirchenmusikdirektor Michael Gerisch die Choräle mit klarer Festigkeit musizieren (aber auch mit einigen Schluss-Dehnungen).

Die Kantorei Kirchditmold, immerhin annähernd 80 Stimmen stark, ist als klangstarker Chor jederzeit zu schöner Differenzierung fähig. Ganz souverän wurden die Volkschöre gesungen, vom chromatisch anspruchsvollen „Wäre dieser nicht ein Übeltäter“ über den kontrollierten Furor des „Kreuzige!“ bis hin zum fast schon swingenden „Lasset uns den nicht zerteilen“ und dem nuancenreichen Schlusschor „Ruht wohl“.

Ein wesentliches Fundament der Aufführung bildete das Gastorchester, das Neue Bachische Collegium Musicum aus Leipzig. Seine kraftvolle, kompakte Spielweise mit starken Bässen und strahlenden Oboen geht einher mit einer außergewöhnlich plastischen Artikulationsweise - gerade recht, um die Dramatik des Passionsgeschehens zu verdeutlichen.

Marcus Ullmann hatte als Evangelist und Sänger der Tenor-Arien den schwierigsten Part, den er – bis auf kleine Momente der Instabilität – mit großer Ausdruckskraft und stimmlichem Glanz bewältigte. Souverän agierten die Bass-Solisten, Andreas Jäpel (Jesus) und Jörg Hempel (Arien, Pilatus). Annekathrin Laabs verströmte warmen Alt-Glanz vor allem in der Arie „Es ist vollbracht“, während Katharine Persicke mit ihrem kristallin-reinen Sopran bei der Arie „Ich folge dir gleichfalls“ im Dialog mit den Flöten besonders überzeugte.

Am Ende der eindrucksvollen Darbietung erhob sich das Publikum und spendete lang anhaltend Applaus.

Von Werner Fritsch

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