Royston Maldoom brachte 130 Jugendliche zum Tanzen

Tanz
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Der Ursprung der Welt als Tanz: Kasseler Jugendliche agieren in „creation moves“ zur Musik von Darius Milhaud.

Kassel. Die Szene hatte Symbolcharakter: Im leeren Weltall schweben vereinzelte Planeten, ehe ein roter Feuerball Energie andeutet. Wie eine Schöpfung aus dem Nichts muss auch den 130 Kasseler Jugendlichen die Tanzproduktion „creation moves“ vorgekommen sein, die der Choreograf Royston Maldoom mit ihnen erarbeitet hat.

Denn für die meisten von ihnen war alles neu: sich auf einer Bühne bewegen, zu Orchestermusik tanzen, eine Choreografie erarbeiten - und sie bei der Aufführung trotz Lampenfieber gut herüberbringen. Dass dies bei der Premiere am Samstag auf tolle und sehr bewegende Weise gelang, dass den Tänzern am Ende im Kasseler Opernhaus Standing Ovations und heftiger Jubel von tausend Zuschauern entgegenschlugen, werden alle Beteiligten wohl kaum je vergessen. Schade nur, dass Maldoom selbst wegen eines Klinikaufenthalts die Premiere nicht miterleben konnte.

„Die Schöpfung der Welt“ (La création du monde, 1923), dieses vom Jazz beeinflusste Stück von Darius Milhaud gab im ersten Teil des Abends der Community Group, einer Gruppe tanzbegeisterter Jugendlicher, Gelegenheit, eine Geschichte zu erzählen. Wie aus einer Verpuppung lösten sie sich zu den ruhigen Saxofonklängen des Beginns und stellten mit anspruchsvollen Figuren und Tableaus in Gruppen sowie solistischen Aktionen (lustig: das Seitwärtslaufen eines Krebses) den Schöpfungsmythos dar. Fein die Schlusspointe: Ein dicker Apfel senkt sich auf das Urpaar herab, und ein Wurm mit Teufelshörnchen robbt heran.

Mitwirkende

Tänzer: Schüler der Grundschule am Wall, Jean-Paul-Schule, Hegelsbergschule, Heinrich-Schütz-Schule, Georg-Büchner-Schule, Carl-Schomburg-Schule und eine Gruppe tanzinteressierter Jugendlicher „Community Group“

Choreograf: Royston Maldoom

Choreografische Assistenz: Mia Sophia Bilitza und Katja Borsdorf

Kostüme: Evelyn Schönwald

Staatsorchester Kassel

Dirigenten: Patrik Ringborg, Yoel Gamzou

Nicht weniger gelungen, wie dann die 130 Jugendlichen in verschiedenen Gruppen und Konstellationen, unterschieden durch die Farben der schlichten Kostüme, die acht Sätze von Dmitri Schostakowitschs „Suite für Varieté-Orchester“ (1988) vertanzten.

Eindrucksvoll war vor allem, wie es Maldoom gelungen ist, die Gruppen in immer neue Konstellationen zu führen und dabei die Individualität jedes einzelnen Tänzers, etwa in den Defilées, zur Geltung kommen zu lassen. Alle können mittanzen, und alle haben etwas Unverwechselbares beizutragen - diese wertvolle Erfahrung können die Mitwirkenden wie auch die Zuschauer aus dieser Produktion mitnehmen.

Vielleicht das Beste aber an diesem allein durch Spenden (150 000 Euro) finanzierten Projekt: Es ist einfach gut gemacht und nicht nur gut gemeint. Viele Bilder werden bleiben, etwa die Fröhlichkeit der jüngsten Gruppe, die im Marschsatz mit Clownsnasen wilde Tanzbewegungen vollführte, aber auch die Ernsthaftigkeit der Älteren bei ihren Paar- und Gruppenaktionen im Walzersatz. Nicht zu vergessen das Staatsorchester, das unter der Leitung von Pat-rik Ringborg und Yoel Gamzou für viel Schwung sorgte.  

Von Werner Fritsch

Die letzten Aufführungen am 13.5. um 10 und 18 Uhr sind ausverkauft.

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