Komik für Masochisten: Kurt Krömer im Kulturzelt Wolfhagen

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Wie sieht der denn in der ersten Reihe aus? Hier beschimpft Kurt Krömer gerade wieder einen Besucher in Wolfhagen.

Wolfhagen. Kurt Krömer ist ein Phänomen: Der Komiker beschimpft seine Fans und hat keine richtigen Pointen. Trotzdem lacht man sich schlapp über ihn - auch im Kulturzelt Wolfhagen.

Als Fan von Kurt Krömer muss man Masochist sein. Bevor der Berliner Komiker im seit Monaten ausverkauften Wolfhager Kulturzelt durch die Zuschauerreihen geht, sagt er: „Gucken wir uns mal an, was die Katze uns vor die Tür gelegt hat.“ Einer Zuschauerin, die an einer unpassenden Stelle klatscht, droht er an, die Hände abzuhacken. Und in die erste Reihe, die optisch gesehen eine Enttäuschung sei, wirft er ein angerotztes Taschentuch.

Und trotzdem haben die mehr als 800 Besucher am Freitag Tränen in den Augen und kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein. Der gelernte Herrenausstatter ist ein Phänomen. Alexander Bojcan, wie er richtig heißt, ist so fies wie Klaus Kinski, und trotzdem haben ihn alle mindestens so lieb wie einst den Berliner Eisbären Knut. Sein Pennälerhumor hat keine Pointen, die man nacherzählen könnte, und dennoch finden ihn alle lustig.

Im Interview mit unserer Zeitung gab Krömer einmal zu: „Als Buch würden meine Geschichten nicht funktionieren.“ Dafür kann man ihn mit einem anderen Printprodukt vergleichen. In der Zeitschrift „Tempo“ hatte der Schriftsteller Maxim Biller in den 90ern die Kolumne „100 Zeilen Hass“. Krömers Programm „Heute stimmt alles“ sind „mehr als 100 Minuten Hass“.

Der 41-Jährige wettert gegen Baumarktmitarbeiter, die wie ein Chamäleon die Farbe des Produkts annehmen können, vor dem sie gerade stehen, damit sie Kunden nicht helfen müssen. Er lästert über den Kölner Kardinal Woelki, der vor Asylmissbrauch gewarnt hatte („Wir sollten darauf hören. Keiner kennt sich so gut mit Missbrauch aus wie die katholische Kirche“).

Was für eine dicke Plauze

Und auch an seiner abgrundtief hässlichen Nachbarin lässt er kein gutes Haar. Der Gesichtschirurg, der sie operieren sollte, habe sie mit den Worten nach Hause geschickt: „Für Enthauptungen sind wir nicht zuständig.“

Minutenlang entblößt Krömer seine ziemlich dick gewordene Plauze. Er schafft es sogar, dass man über einen bis ins kleinste Detail beschriebenen Selbstmord lacht, der auch für ihn eine Option sei: „Falls alle Stricke reißen, hänge ich mich auf.“ Wenn er sich vorher nicht mit seinem eigenen Achelschweiß vergiftet, den er in Wolfhagen genüsslich von der Hand leckt.

Zwischendurch schenkt ihm ein Fan Wolfhager Kräuterschnaps, der gegen Alzheimer und Prostatabeschwerden helfen soll. Er und alle anderen im Zelt wissen, dass Krömers Hass nur eine besondere Form von Liebe ist. Es passt daher, dass der Wüterich am Ende eines sehr lustigen Abends sagt: „Wenn ihr eine Träne in meinem Auge wärt, würde ich nie mehr weinen. Ich hätte Angst, euch zu verlieren.“

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