Er lebt seine Lieder: Glen Hansard im Kasseler Kulturzelt

Ein Meister an der Gitarre: Der Ire Glen Hansard im Kasseler Kulturzelt. Foto: Hedler

Berühmt wurde Glen Hansard mit dem Song „Falling Slowly“ aus dem Kinofilm "Once". Der irische Musker ist ein Spezialist für die großen Gefühle, wie er im Kasseler Kulturzelt bewies.

Kassel. Es ist fünf vor zehn an diesem Dienstagabend. Seite an Seite stehen zehn Musiker, drei Techniker und der Hauptdarsteller des Abends auf der Bühne. Glen Hansard legt Mikrofon und Gitarre zur Seite. Einziges Instrument, dessen sich jetzt alle bedienen, ist die Stimme. Reduziert, ohne verstärkende Technik. Entsprechend leise sind diese Schlussminuten eines bewegenden Konzerts im ausverkauften Kasseler Kulturzelt.

Der Ire stimmt „The Auld Triangle“ an, eine Ballade aus seiner Heimat. Sie ist ähnlich ruhig wie sein mit einem Oscar ausgezeichneter Song „Falling slowly“ aus dem Film „Once“ (2008). Beinahe liebevoll knufft der 46-Jährige seine musikalischen Wegbegleiter nach und nach in die Seite, gibt den Einsatz vor. Jeder muss mal ran, darf mal ran. Bei seinem vielumjubelten Konzert an gleicher Stelle vor drei Jahren musizierte Hansard am Ende im Publikum. Diesmal setzt er mit diesem Chor einen anderen, aber ebenso besonderen Schlusspunkt.

Zwei, die beide Konzerte erlebt haben, sind Sandra Rohde-Mally und Lars Mally aus Vellmar. Sie sagt: „Dieser Auftritt war schöner, mitreißender. Glen Hansard hat geschafft, dass wir mitmachen mussten.“ Er sagt: „Hansard war supergut gelaunt, hat länger gespielt, die Band war besser.“ Denn gleich zehn Musiker tragen den Iren mit durch diesen Abend: zwei Geigen, ein Cello, ein Kontrabass, mal E-Gitarre, mal Banjo, ein Piano, Schlagzeug, Trompete, Posaune und Saxophon.

Es ist ein stimmiges Gesamtpaket mit einem überzeugenden Hauptdarsteller. Ein Musiker, dem man viel länger zuhören möchte als diese viel zu kurzen zweieinhalb Stunden. Einer, mit dem man „im hohen Gras“ liegen möchte. Von dem man hofft, dass er tatsächlich mal „an deiner Tür steht“. Mit den wunderbaren Texten im Gepäck, in denen er von der wachsenden Liebe zum Nachbarhund oder der Entschuldigung bei einem Freund singt, mit dem er eines schönen Tages versackte, ihn aber anlog und sich noch am gleichen Abend mit einem eigenen Song entschuldigte.

Mit im Gepäck sollte Hansard auch eine seiner Gitarren haben, die so mitgenommen aussehen, das sie selbst Geschichten erzählen könnten von seinen Auftritten. Sie zeugen von der Art, wie der Ire Musik macht: Er lebt seine Songs. Seine Gitarren muss er immer wieder nachstimmen. „Es ist ein spezielles Gefühl, ein spezieller Sound hier“, erklärt er grinsend. Das Publikum hat er da längst mitgenommen. „Jetzt holt ihr tief Luft, zusammen bringen wir es zu Ende“, fordert er das Publikum auf. Hansards Stimme und dem Mix aus Gitarre, Banjo und Kontrabass kann sich niemand entziehen.

Nach zwei Stunden verabschiedet er sich, um dann 30 Minuten Zugaben dranzuhängen. „Maybe we should say goodbye, but maybe not tonight“, singt er. Trennen will sich niemand. Und so bleibt die Hoffnung, dass es ein Wiedersehen im Kulturzelt nicht erst in drei Jahren gibt.

Kulturzelt am Donnerstag, 19.30 Uhr: José James. Tickets an der Abendkasse.

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