Musical: Umjubelte „Evita“ am Kasseler Staatstheater

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Es gibt viel zu entdecken auf der Bühne: Julia Klotz als Evita (Zweite von rechts) mit Henrik Wager (Che) sowie den Tänzern (von links) Wencke Kriemer de Matos, Laura Ramos Santana, David Bauer und Viktor I. Usov.

Kassel. Eine argentinische Kneipe im Jahr 2012. Buntes Treiben samt einer Überraschung: Der Erste Kapellmeister des Staatstheaters Kassel, Yoel Gamzou, sitzt mit einem Musiker an einem Tisch. Ein martialisch aufgemachter Kneipenbesucher betrinkt sich derweil.

Es ist Che (Henrik Wager), der im Rausch von Eva Perón fantasiert. Darauf eilt Gamzou in den Orchestergraben - und das Musical beginnt.

Einen gewitzten Rahmen hat sich der Schweizer Regisseur Tom Ryser für seine turbulente, vielfach ironisch gebrochene und erfrischend freche Kasseler „Evita“-Inszenierung einfallen lassen. Er erzählt das Stück als magische Zeitreise ganz aus der Kneipensituation.

Rund hundert Mitwirkende – Solisten, Statisten, der Opernchor, der Jugendchor Cantamus sowie zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer – tummeln sich auf der von Silvia Merlo und Ulf Stengl entworfenen Bühne. Che erwählt eine Kellnerin (Julia Klotz): Eva, die künftige Legende, die Traumspenderin. Das Programmheft zitiert die Zürcher Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen: „Sie arbeitet an sich als Kunstfigur, um durch die Verwandlung das narzisstische Begehren des Publikums zu wecken.“

Bald kommt Evas erster Lover im glitzernden Goldsakko nach vorn: Christian Alexander Müller als Tangosänger Agustín Magaldi ein schleimiger Charmeur wie aus dem Bilderbuch. Evas Liebhaber stehen Schlange, bis die junge Dame auf Oberst Juan Perón (würdevoll mit tiefer Stimme: Bernhard Modes) trifft.

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Dessen Geliebte (anrührend: Runette Botha) wird unsanft aus dem Verkehr gezogen. In grotesken Verrenkungen bemächtigt Eva sich des Kleides und der Perücke der Nebenbuhlerin - und stopft sich Socken ins Dekolleté. Es läuft gut für die Peróns, das Volk jubelt und mischt sich unters Publikum.

Bei „Don’t Cry For Me Argentina“ erscheint Eva im glamourösen weißen Kleid (Kostüme: Uta Meenen), sekundiert von den eindrucksvollen Tänzern Wencke Kriemer de Matos, Laura Ramos Santana, David Bauer und Viktor I. Usov, die in der Choreografie der ehemaligen Staatstheater-Tänzerin Lillian Stillwell viel zu tun haben. Eine herrliche Ironie: Auch die Männer tragen das klassische Schwanensee-Kostüm.

Facettenreiche Julia Klotz

Zur missglückten Europareise wandelt Eva sich zum Black Swan, zum schwarzen Schwan. Überhaupt punktet Julia Klotz mit vielen Facetten: eingangs ein quirliges Girlie mit Dancefloor-Qualitäten, zuletzt eine sieche Frau. Allein ihre hohen Töne klingen nicht so anziehend. Da hat der schmeichelnde, auch rockig kraftvolle Che von Henrik Wager die Nase vorn.

Äußerst temperamentvoll leitet Yoel Gamzou das Staatsorchester und die Band: ein bunter Musikmix vom Bombast bis zum Tango. Das Publikum im ausverkauften Opernhaus spendet Riesenbeifall und setzt nach der Wiederholung von „A New Argentina“ zu Ovationen an. (Georg Pepl)

Nächste Termine: 1., 6., 9. Februar. Karten unter Telefon 0561/1094-222.

www.staatstheater-kassel.de

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