„Titanic“-Mitgründer Pit Knorr kommt am Mittwoch in die Caricatura nach Kassel

Er nannte Kohl „Birne“

„Kohl hat alles ausgesessen“: Pit Knorr erfand den Begriff „Birne“ für den Kanzler - hier das „Titanic“-Cover November 1982. Foto: nh

Kassel. Als im Oktober 1979 die erste „Titanic“ erschien, glaubte Pit Knorr, neben Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Chlodwig Poth und Hans Traxler einer der Gründer des „endgültigen Satiremagazins“, nicht an dessen Bestand: „Wenn das drei Jahre gut geht, ist es herrlich“, hoffte der damals 40-Jährige.

30 Jahre später wird die Zeitschrift in einer Jubiläumsschau gewürdigt, die bis 30. Mai in der Caricatura im Kasseler Kulturbahnhof zu sehen ist, bei Rowohlt Berlin ist ein „Titanic“-Sammelband mit dem „Erstbesten aus 30 Jahren“ erschienen, den Knorr mitherausgegeben hat, er selbst wird am Mittwoch mit einem Abend in der Galerie gefeiert, und das Blatt sieht der mittlerweile 71-Jährige ebenfalls in guten Händen.

Der „Elder Statesman“ des Magazins, einziges noch lebendes sowie aktives Mitglied des Gründungsquintetts, ist „zufrieden und stolz“, dass es das Blatt schuldenfrei und „in gutem Zustand“ an jüngere, aber auch schon wieder ehemalige „Titanic“-Kollegen übergeben konnte. Die besetzen auch den Chefredakteursposten. Der aktuelle, Leo Fischer, ist 29 und sorgt für frischen Wind. „So soll es sein“, sagt Knorr, „und wir haben über das Personal auch immer die Linie bestimmt.“

Zeitweilig sah es tatsächlich eher nach dem Untergang der „Titanic“ aus, aber nie wegen mangelnder Qualität, wie Knorr betont, sondern wegen „unfassbarer Schweinereien im Verlag“. Knorr, der „Spielertrainer“ in der Redaktion, war derjenige, der zum Kämpfen animiert hat, damit „Titanic“ überlebt, der sich „richtig reingehängt“ hat. Wenn das Blatt schon die Segel streichen sollte, „dann nicht wegen Veruntreuung und unfähiger Geschäftsführer“. Außerdem sollte in diesem Fall mindestens „der Staat wackeln“.

Helmut Kohl indes hat alles ausgesessen, auch die bösesten Titel und gemeinsten Geschichten. Knorr hat den Begriff „Birne“ für den Kanzler erfunden, den Hans Traxler grandios in Bilder umgesetzt hat („Birne - das Buch zum Kanzler“, 1983). „Kohl hat drübergestanden, oder er war gut beraten“, sagt Knorr, „anders als der törichte Björn Engholm“. Der erstritt einst 40 000 Mark Schmerzensgeld: die höchste juristische „Titanic“-Niederlage.

Es gab Dinge, die auch Knorr „höchst missfallen haben“, über die intern heftigst gestritten wurde. Nur eines sei „Titanic“ nie gewesen: langweilig und ohne Biss. In der Ausstellung hat er ein angenehmes „Weißte-noch-Gefühl“: „Alles kommt aufs Schönste wieder hoch.“

17. März, 20 Uhr, Caricatura: Das Allerbeste aus 30 Jahren - der große Pit-Knorr-Abend, moderiert von Bernd Gieseking. Karten: Tel. 0561/776499.

Von Mark-Christian von Busse

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