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Neue Musik für die schönste Zeit des Jahres

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Weihnachtsalbum, Indie
Tracey Thorn hilft mit ihrem Album "Tinsel and Lights", die kalte Jahreszeit als Single im postiven Einklang mit sich selbst zu überstehen. © Rough Trade

Kassel. Wir kennen sie bis zum Abwinken, die Weihnachtslieder, die uns alle Jahre wieder als Hintergrundmusik in Einkaufsgalerien und Fußgängerzonen einlullen. „Zeit, dass sich das dreht“ dachten sich renommierte Künstler und Newcomer, die zum Fest neue Weihnachtsalben veröffentlicht haben.

Die Überraschung der Saison ist die hierzulande bisher unbekannte, in Kanada aber sehr erfolgreiche Maryse Letarte, die auf "Des Pas Dans La Neige" (Local Media) mit zehn selbst komponierten Pop-Chanson-Perlen überrascht. So fröhlich wurde man lange nicht auf die festliche Zeit eingestimmt. Eine CD, die süchtig macht und die man immer wieder mit den besten Freunden/Freundinnen hören möchte. Selten wurde man so locker auf die Weihnachtszeit eingestimmt.

Weihnachtsalbum
Das perfekte Album für die kalte Jahreszeit: Maryse Letartes "Des Pas Dans La Neige" (was übersetzt "Schritte im Schnee" heißt) © Local Media

Letzteres gilt auch für "Tinsel and Lights" (Rough Trade), das Weihnachtsalbum von Tracey Thorn. Die große Dame des Indie-Pop singt u.a. Songs von Jack White, Green Garthside, Ron Sexsmith und Sufjan Stefens. Das ist exzellent, richtet sich aber im Gegensatz zu Mademoiselle Letarte vermehrt an Jene, die alleine durch diese Jahreszeit gehen und hoffen, das möge sich zum Fest ändern.

Licht und Schatten

Christina Perri gehört für „A Very Merry Perri Christmas“ (Atlantic)  Schelte für den dümmlichsten Album-Titel. Diese Kritik macht sie aber mit kitschfreien, überzeugend eigenständigen Versionen von Klassikern wie „Ave Maria“ oder „Happy Xmas (War is over)“ vollends wett.

Könnte man das gleiche doch auch von Rod Stewart sagen. 

Der Altrocker schwelgt auf "Merry Christmas Baby" (Verve) im Hollywood-Kitsch und arbeitet weiter an der Demontage seines Denkmals. Für Rock’n Roll unterm Tannenbaum sorgen dafür die Baseballs (Warner), deren Version von „Little Drummer Boy“ auch Elvis erfreut hätte.

Wer auf Soul steht, wird von Cee-Lo Greens "Magic Moment" (Warner) mit vollem Herzen bedient und darf auf den Weihnachtsfeiern tanzen bis das Rentier mit der roten Nase um die Ecke kommt.

Gewarnt werden muss hingegen vor "This Christmas" (Universal) von Olivia Newton John & John Travolta. Selbst Gastauftritte von Chick Corea, Barbra Streisand und James Taylor können bei diesem Scientologen-Treff nicht retten, was Travolta kaputt singt, Entschuldigung, spricht - denn singen kann er nicht wirklich.

Alternativen

Zwei Sampler, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Auf "God Jul" (Edel) zaubern skandinavische Künstler eine intime Weihnachtsstimmung, während auf "Christmas Rules" (Universal) Stars der alternativen Szene wie Calexico, The Shins und Rufus Wainwright mit unkonventionellen Indie-, Jazz- und Folk-Interpretationen die Angst vor allzu gefühlsduseligen Feiern nehmen. 

Wem das zu modern ist, der kann immer noch mit Thomas Anders ("Christmas for you", EMI) Weihnachten, wie es früher einmal war feiern. Tipp: Besser gleich auf Wiederveröffentlichungen von früher mit dem Günther Kallmann Chor ("Christmas-Sing-In", Universal) oder Vico Torriani ("Weihnachten in Europa", Koch) zurück greifen.

(von Wilhelm Ditzel)

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