Oben-Festival mit Milky Chance war spitze

Tourstart in der Heimat: Clemens Rehbein von Milky Chance. Foto:  Schachtschneider

Das war ein Knaller: Das Oben-Festival auf der Baunataler Knallhütte feierte eine tolle Premiere - nicht nur wegen des Erfolgsduos Milky Chance als Headliner.

War das erste Oben-Festival ein Erfolg? 

Das kann man wohl sagen. Tolle Bands und Künstler, eine perfekte Organisation sowie ein gemütliches Ambiente auf dem Gelände hinter der Knallhütte der Hütt-Brauerei in Baunatal-Rengershausen - wen man auch fragte, alle waren begeistert von der Premiere des Oben-Festivals, das geschätzt 2000 Besucher anlockte. Selbst von ganz oben kam nur Gutes: Das vorhergesagte Unwetter machte jedenfalls einen weiten Bogen um die beiden Zelte, in denen 18 Bands auftraten.

Was war der Höhepunkt?

Natürlich der Auftritt von Milky Chance. Was kann es auch Schöneres geben für ein regional verankertes Festival? Das weltweit erfolgreiche Pop-Duo spielte nach sechsmonatiger Pause sein erstes Konzert vor der eigenen Haustür, bevor es an diesem Sonntag nach Moskau flog, wo der erste internationale Tour-Termin dieses Sommers ansteht.

Sänger Clemens Rehbein überraschte schon, als er Stunden vorher über das Festival-Gelände schlenderte und alte Freunde begrüßte. Seine Wuschelfrisur hat der 23-Jährige mittlerweile gegen glatt gestriegelte Strähnen eingetauscht. Rehbein sieht jetzt ein bisschen aus wie der junge Johnny Depp, ist als Musiker aber nach wie vor der Alte. Seine Reibeisenstimme und die flirrenden Gitarrensoli bestimmen neben den House-Beats von Percussionist Philipp Dausch den Live-Sound, aus dem auch Bass und Mundharmonika von Antonio Greger längst nicht mehr wegzudenken sind.

Ihre Hits spielten Milky Chance bis um halb eins in der Nacht zum Teil in neuen Versionen. „Down By The River“ klang in Baunatal sogar etwas countryesk. Zugleich stellten sie zwei neue Songs vor, die 2017 auf dem zweiten Album erscheinen sollen. „Blossom“ und „Ego“ klangen eingängig, tanzbar, poppig, aber immer noch nach Milky Chance, die längst ihr eigenes Genre zwischen Indiepop und Electronica gefunden haben.

Was hat man sonst noch verpasst, wenn man nicht da war?

Einiges. Etwa den Auftritt des Reggae-Sängers Dellé, der mit der Berliner Band Seeed zu Deutschlands erfolgreichsten Acts zählt. Auf der Knallhütte stellte der in Hann. Münden aufgewachsene Musiker mit einer neunköpfigen Band sein im Juni erscheinendes zweites Soloalbum vor.

Seine Summer-Sunshine-Rhythmen kamen ebenso gut an wie der Elektro-HipHop des Berliner Rappers Romano, der nicht nur wegen seiner Pippi-Langstrumpf-Zöpfe eine erfrischende Erscheinung in der deutschen Musikszene ist. Mit Hits wie „Klaps auf den Po“ und lustigen Reimen über „meine Mutter“, die „die dicksten Eier“ hat, brachte Romano selbst die älteren Zuschauer zum Staunen.

Die Jungen tanzten derweil im kleineren Zirkuszelt zu Techno-Rhythmen von Acts wie Robot Koch und #Instantboner, dessen Kopf Matthias Millhof ebenso aus der Region stammt wie Koch. Die erste Ausgabe des Oben hatte genau die richtige Mischung aus bekannten Namen und neuen Acts, die man hier für sich entdecken konnte.

Wie war das Drumherum?

Wir wollen nicht nur in Superlativen schwelgen, aber auch hier gab es nichts zu meckern. Die Hütt-Brauerei hatte eigens ein Festival-Bier hergestellt. Und auch beim Essen war das Angebot global und lokal: Neben Indisch-Vegetarischem gab es beispielweise leckere Stullen aus der Region sowie Bio-Würstchen. Und die jungen Kasseler Designerinnen von Soki verkauften nicht nur schicke Slips, sondern überreichten Milky Chance sogar neue Bühnen-Outfits - allerdings keine Unterwäsche.

Wird es das Oben-Festival auch nächstes Jahr geben?

Das wollen wir doch hoffen. So ein Festival hat Kassel und der Umgebung nämlich gefehlt. Wie das Musikschutzgebiet in Homberg bietet es tolle Musik jenseits des Mainstreams. Und die Infrastruktur der Knallhütte, die hier zwei Tage zuvor ihr traditionelles Brauereifest mit 15.000 Gästen gefeiert hatte, ist unschlagbar. Das Gelände will die Hütt-Brauerei den Organisatoren aus der jungen Kasseler Kreativszene auch im kommenden Jahr zur Verfügung stellen. Die Macher um die Betreiber des Clubs Unten, Andreas Störmer und Mathias Jakob, müssen jedoch erst einmal entscheiden, ob sich die Premiere auch finanziell getragen hat. Rehbein von Milky Chance kündigte schon mal an, 2017 wieder dabei zu sein. Dann „sollten aber ein paar Leute mehr kommen“.

Oben-Festival: Stimmungsbilder vom Abend

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