Ovationen für Kultband

Wolfgang Niedecken und BAP spielten im Kasseler Opernhaus

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Feierte während des Auftritts die Bundesliga-Rückkehr des 1. FC Köln: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken in Kassel. 

Kassel. Wer hätte 1976 gedacht, dass eine Pop-Rock-Band, für deren Texte man oft einen Deutsch-Kölsch-Übersetzer braucht, mal Kult werden würde? Eingängige Melodien und ein Sänger, Songschreiber und Frontmann wie Wolfgang Niedecken machten es möglich.

Der heute 63-Jährige ist die charismatische Identifikationsfigur für BAP schlechthin.

Am Ostermontag gastierten BAP im ausverkauften Kasseler Opernhaus. „Unplugged“, also ohne elektronische Verstärkung, hieß die Klangvorgabe. „Unplugged? Für uns zu Neudeutsch, also nennen wir unsere Tournee ,BAP zieht den Stecker’.“ Eine Auswahl aus 17 BAP-Studioalben und vier Solo-LPs von Niedecken standen auf dem Programm. Für die Fans wurden die Stücke auch in dieser leiseren, warmen, ja balladesken Variante zu einem Fest mit zahlreichen, euphorisch gefeierten Wiederkennungsmomenten.

„Wenn ihr so weiterklatscht, werden wir heute aber nicht mehr fertig“, sagte Niedecken, der immer wieder mit dem Humor und der Gelassenheit eines nach seinem Schlaganfall gereiften Menschen auf die Entstehung der BAP-Songs einging.

Niedecken war der Mittelpunkt des Konzerts. Leger gekleidet in Jeanshose und Jeanshemd, auf dem Kopf meist eine alte Kappenmütze, gab er jedem Stück seine persönliche Note und Ansage: „Am meisten inspirieren mich alte Pensionen mit Rock’n’Roll-Flair.“

Die Band, von Niedecken gern auch mal mit Jux-Namen vorgestellt („an den Tasten der Staatsratsvorsitzende Michael Nass“) agierte als homogene Einheit. Mit dabei: Werner Kupal am Kontrabass, Jürgen Zöller am Schlagzeug, der Percussionist Rhani Krija, die Cellistin Anne de Wolf und der Gitarrist Ulrich Rode, der „ausnahmsweise“ auch mal elektronisch verzerrte Soli einstreute.

So ruhig und abgeklärt wie Niedecken rüberkam – beim Thema Fußball flackerte zeitlose Leidenschaft: „Wir lassen uns während des Konzertes die Zwischenstände vom FC-Spiel geben.“ Der letzte wurde ihm auf einer großen Pappe gereicht: 3:1, der 1. FC Köln, sein Verein, kehrt damit in die 1. Bundesliga zurück. Niedecken strahlte.

Zum Abschluss: Die BAP-Hymne „Verdamp lang her“. Euphorisch singt das Publikum den Text im Stehen mit. Dem langen Schlussapplaus folgt eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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