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Die Puhdys sagten beim Vellmarer Sommer im Park tschüss

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Auch mit 70 noch sehr vital: Dieter „Maschine“ Birr beim Festival Sommer im Park in Vellmar. Foto: Schachtschneider
Auch mit 70 noch sehr vital: Dieter „Maschine“ Birr beim Festival Sommer im Park in Vellmar. Foto: Schachtschneider © Schachtschneider, Dieter

Vellmar. Sie sind vielleicht die bekannteste Ostrock-Band: Nach 45 Jahren sind die Puhdys auf Abschiedstournee. Ihr Auftritt beim Festival Sommer im Park in Vellmar war nicht nur für Nostalgiker ein Ereignis.

Was sind die Stones gegen die Puhdys? Hätte man die Zuhörer im vollen Zelt des Vellmarer Festivals Sommer im Park gefragt, wem sie den Vorrang geben, hätte zweifellos die Kultband aus dem deutschen Osten die Abstimmung gewonnen. Keine andere Gruppe steht so für das geteilte und dann wiedervereinigte Deutschland: 1969 gegründet, ab 1976 Auftritte auch im Westen, 1982 Nationalpreis der DDR, 1989 Trennung, 1992 Wiedervereinigung.

Die Puhdys waren schnell auch in der Bundesrepublik beliebt. „Ostrock“ nannte man das damals. Als sie im März 1979 in Baunatal auftraten (der Berichterstatter des Konzerts vom Dienstagabend war anwesend), rümpfte der Kritiker der HNA die Nase: „nervtötendes Synthesizer-Gesäusel … trivial, belang- und folgenlos“. Das Publikum sah es anders, die Band wurde Kult und blieb es bis heute. Welche Band braucht nur die Anfangszeile anzustimmen und fast der ganze Raum singt die Strophe zu Ende?

Das Durchschnittsalter der fünf Musiker - Dieter „Maschine“ Birr (Gesang, Gitarre), Dieter „Quaster“ Hertrampf (Gitarre, Gesang), Peter „Bimbo“ Rasym (Bass), Klaus Scharfschwerdt (Schlagzeug), Peter „Eingehängt“ Meyer (Keyboard, Saxofon) - liegt bei 67. Birr, Quaster und Meyer sind seit 45 Jahren dabei. Doch Rentnerrock ist das nicht. Zwar leidet „Maschines“ Stimme im Verlauf des zweistündigen Abends beträchtlich, zwar sind manche Nummern eingebaut, die etwas Atem schöpfen lassen, doch die Vitalität, die sich von der ersten Minute an auf das Publikum überträgt, ist ungebrochen.

Die Puhdys haben in den vergangenen Jahren nicht nur das Erbe verwaltet, sie haben immer wieder neue Songs mit guten Texten geschaffen. Doch das Publikum lechzt nach den alten Hits. In einem Medley wurde ein Teil im Schnelldurchlauf abgehakt, doch die ganz großen Nummern wie „Wenn ein Mensch lebt“, „Alt wie ein Baum“, „Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen“ oder „Doch die Gitter schweigen“ werden in voller Länge (mit)gesungen. Gewaltiger Jubel der 800 Zuschauer.

Es war der letzte Auftritt der Puhdys in Nordhessen. Am 31. Dezember 2015 ist endgültig Schluss, dann heißt es: „Es war schön, einfach schön …“.

Von Johannes Mundry

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