Traumhaft gut: Elektromusiker Parra for Cuva aus Northeim

Seinen ersten Hit landete Nicolas Demuth alias Parra for Cuva vor drei Jahren mit Chris Isaaks "Wicked Game". Auf seinem neuen Album macht der gebürtige Northeimer träumerischen Ambient.

Northeim. Alle potenziellen Hits, die im Radio hätten laufen können, hat Nicolas Demuth von seinem neuen Album wieder runtergeschmissen. „Massentauglichkeit ist nicht mein Ding“, sagt der aus Northeim stammende Elektronikmusiker, der sich Parra for Cuva nennt. Und trotzdem ist seine neue Platte „Darwis“, die der Wahl-Berliner mit seinem Kollegen Senoy herausgebracht hat, ein tolles Stück Ambient geworden. Träumerischer Techno, den man den ganzen Tag hören kann, wenn er schon nicht im Radio läuft. Wir stellen den 24-Jährigen vor.

Der Musiker

Seinen ersten kommerziellen Hit hatte Demuth bereits vor drei Jahren, als er mit seiner Northeimer Schulfreundin Annika Klose eine neue Version von Chris Isaaks „Wicked Game“ aufnahm, die in Holland sogar bis auf Rang fünf der Charts kletterte. Während Klose als Anna Naklab vorigen Sommer mit „Supergirl“ im Radio hoch und runter lief, machte sich Demuth als Elektroniktüftler jenseits ausgetretener Techno-Pfade einen Namen.

Sein Anfang 2015 erschienenes Debütalbum „Majouré“ mit sehr ruhigen Tracks erhielt hymnische Kritiken. Als Parra for Cuva tritt er in ausverkauften Clubs in Paris und London sowie in Montreal, Ankara und auf Ibiza auf. Von der Musik kann der ehemalige Göttinger Waldorfschüler, der als Nachwuchspianist einst Unterricht in Jazz-Improvisation erhielt, gut leben: „Ich leiste mir keinen überschwänglichen Lifestyle, aber ich kann mir eine Wohnung mieten und in Urlaub fahren.“ Gerade war er in Griechenland.

Das Album

„Darwis“, das nach dem Tanz asketischer Sufi-Mönche benannt ist, entstand voriges Jahr während eines spontanen Trips nach Spanien. „Vier Wochen allein abzuhängen, sind langweilig“, dachte sich Demuth und nahm den gebürtigen Münchner Jonas Lechenmayr alias Senoy mit, der ihn bei Auftritten als Live-Gitarrist begleitet. In der Küche des Ferienhauses richtete sich das Duo sein Studio ein.

„Am Anfang war überall abgefuckter Küchenhall drauf“, sagt Demuth. Aber gerade dieser raue Sound macht den Reiz von „Darwis“ aus. Sie jagten eine Ukulele durch den Verstärker. Während sich andere Ambient-Musiker im Träumerischen verlieren, rütteln Parra for Cuva und Senoy den Hörer mit sanftem Krach wach.

Der Audiodesigner

Ihre Tour durch deutsche Metropolen mussten die beiden auf Herbst verschieben, weil sich Lechenmayr beim Skifahren die Schulter brach. Darum schreibt Demuth nun erst einmal seine Bachelor-Arbeit als angehender Audiodesigner. Er setzt sich mit einer Neuinterpretation von Sergei Prokofjews „Peter und der Wolf“ auseinander. Später könnte er Geräusche für Computerspiele zusammenbasteln.

Vielleicht schreibt er aber auch Hits für andere. Schon jetzt ist er als Songwriter für Künstler tätig. Demuth nennt keine Namen, weil man in der Branche damit nicht hausieren geht. Welcher Star will über sich schon lesen, dass er auf fremde Ideen angewiesen ist? Es kann aber gut sein, dass Demuths Kompositionen irgendwann im Radio laufen.

Parra for Cuva & Senoy:

Darwis (Project Mooncircle).

Wertung: vier von fünf Sternen

Zur Person

Name: Nicolas Demuth

Das Foto: zeigt Demuth alias Parra for Cuva (links) mit Jonas Lechenmayr alias Senoy

Geboren: am 27. August 1991 in Northeim

Ausbildung: Abitur an der Göttinger Waldorfschule. Audiodesign-Studium in Berlin

Künstlername: Parra for Cuva („Ich wollte was Sinnloses, was schön klingt“) Durchbruch als Musiker: 2013 mit einer House-Version von Chris Isaaks Hit „Wicked Game“

Privates: lebt in Berlin. Mehr verrät er nicht. Foto: Clemens/nh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.