Wie ein Treppenlauf gen Horizont

37 Absolventen der Kunsthochschule zeigen ihre Abschlussarbeiten

Eine Pose wie beim Knipsen von Selfies: Fotoarbeit von Olga Holzschuh.

Kassel. Es geht aufwärts, aber womöglich auch ins Leere: Die Videoinstallation von Annika Mayer könnte sinnbildlich für die Situation von Studierenden stehen, die gerade ihr Examen ablegen. Eine Zäsur im Leben, die oft mit Ungewissheit verbunden ist.

Auf einer großformatigen Videoprojektion zeigt Annika Mayer eine riesige Treppe, die auf einen nicht erkennbaren Punkt zustrebt.

Orientierungsmöglichkeiten fehlen, auch, weil die steinernen Stufen aus der Umgebung ausgeschnitten sind und quasi im Nichts herumstehen. Erst wenn im Video die schwarz gekleidete Läuferin auftaucht und treppauf und treppab rennt, lassen sich Perspektiven einordnen.

Annika Mayer ist eine von 37 Examenskandidaten und Meisterschülern der Fächer Bildende Kunst, Kunstpädagogik, Produktdesign und Visuelle Kommunikation, die in der documenta-Halle ihre Abschlussarbeiten zeigen. Die Ausstellung „Examen 2014“ ist bis Sonntag zu sehen.

Examensausstellung in der documenta-Halle

Examensausstellung in der documenta-Halle

Kuratiert wurde sie von Matthias Held. In der großen Halle hat er einige Arbeiten zu Erinnerung zusammengestellt, etwa kugelförmige Plastiken von Anna-Maria Meyer, die sie „Moleküle des Gedächtnises“ nennt. Produktdesignerin Laura Häusler stellt ein Aufbewahrungssystem für die Lagerung von Kunst in Archiven vor. Marina Rengel befasst sich in einer Rauminstallation aus weißen Papierbahnen und Fotos mit der stockenden Aufarbeitung der spanischen Franco-Diktatur. In einer anderen Ecke gibt es Arbeiten, die sich mit dem Verrinnen der Zeit beschäftigen: Janina Volkhausen hat Bohnen unter der Treppe in ein riesiges Mosaik gelegt, Katharina Wehner dokumentiert mit gerahmten Blättern voller kleiner senkrechter Striche ihren Tagesablauf, dessen kleine Alltagsstrukturen sie so codiert.

Zu den prägnantesten Arbeiten gehören Leuchtbildkästen von Olga Holzschuh, die an die Glaswand im Eingangsbereich Fotografien gehängt hat, auf denen in weißen Stoff gehüllte Figuren zu sehen sind. Nur ein Arm ist frei - er verharrt in der typischen Pose mit den leicht zusammengeklappten Fingern, die beim allgegenwärtigen Selfies-Schießen mit dem Smartphone eingenommen wird.

Mitwirken können die Besucher bei Susanne Wagners Installation „oder Worte“. Sie bedient sich bei der Welt der Massagen, des Yoga, der Shiatsubehandlungen. Auf einer Matte am Boden kann man wie zu einer Therapiebehandlung Platz nehmen, der Körper wird dann gebettet auf und um Haushaltsgegenstände. Nach dem Aufstehen hinterlässt der Körper Spuren aus diesen Vasen, Tüchern und Balken.

Bis Sonntag in der documenta-Halle.

Eine Fotostrecke gibt es auf http://zu.hna.de/examen2310

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