Zahlreiche Beschwerden

Nach Live-Blamage: AstroTV droht das Aus

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Der Schauspieler Amit Jacobi zerplatzt vor laufender Kamera ein Ei über dem Kopf des AstroTV-Moderators.

München - Der Esoterik-Sender AstroTV steht nach einer Protestaktion der Berliner Künstlergruppe "Peng! Collective" unter Druck. Bei den zuständigen Medienwächtern gehen über 100 Beschwerden ein.  

Lebensberatung, der Blick in die Zukunft oder ein Kontakt ins Jenseits - AstroTV verspricht seinen Zuschauern Lösung für allerlei Situationen des Alltags. Durch Tarot-Karten legen, Blick in die Glaskugel oder die  übersinnlichen Fähigkeiten eines Mediums ist das Programm von AstroTV dabei reich an Skurrilitäten.

So auch am 12. Februar, als der AstroTV-Moderator in der Sendung "Leichter Leben – Zeit für mich" den Clown und Astro-Heiler Pjotr Wasabi begrüßte. Dieser sprach zunächst äußerst vage über dunkle Ecken, Konsistenz und ein Zurückbringen in das Universum. Der Moderator nickte verständnisvoll.

Anschließend drückte der mittlerweile mit einem goldenen Umhang verkleidete Clown dem etwas irritierten Moderator ein gelbes Gummihuhn in die Hand, schwadronierte etwas von einem dunklen Wald und zerplatze daraufhin ein rohes Ei über dem Kopf des Moderators. Danach rief er vor laufender Kamera: "Wir finden AstroTV sollte die Sendelizenz entzogen werden, denn das, was hier stattfindet ist Betrug! Weitere Infos finden Sie unter astrotv.rip."

Künstlergruppe für Aktion verantwortlich

Hinter der Guerilla-Aktion steckt die Berliner Künstlergruppe "Peng! Collective", die den Schauspieler Amit Jacobi als Clown Pjotr Wasabi in die Sendung schleusen konnte. Das Video des Auftritts lud sie, nachdem es auf Druck von AstroTV auf Youtube gelöscht wurde, kurzerhand auf die Homepage der Kampagne "AstroTV ist böse". Dort findet sich auch eine Online-Petition, die die Mediananstalt Berlin Brandenburg (MABB) dazu auffordert, AstroTV die Sendelizenz zu entziehen.  

Die Aktion veranlasste die MABB, die für das Lizenzverfahren von AstroTV zuständig ist, eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Dort hießt es, dass über 100 Beschwerden aufgrund zweifelhafter Angebote und betrügerischer Machenschaften eingereicht worden seien. Gegenwärtig werden die Beschwerden geprüft und gegebenenfalls, falls ein Verstoß festgestellt werden kann, ein Aufsichtsverfahren eingeleitet. Dies reiche von Beanstandungen bis hin zu einem Bußgeldverfahren.

Allerdings habe AstroTV zu den Vorwürfen Stellung bezogen und eine umfangreiche Selbstverpflichtung abgegeben. Die Überwachung der internen Selbstkontrolle sei verbessert, sowie Richtlinien und Grenzen klar formuliert worden. In einer eigenen Stellungnahme bestreitet AstroTV zudem die vorgetragenen Kritikpunkte und verweist auf die Beliebtheit des Senders in spirituellen Fragen.

Jahresumsatz von 90 Millionen Euro

Laut den Machern der Online-Petition steckt hinter AstroTV die Berliner Firma "adviqo AG", die im Jahre 2012 einen Jahresumsatz von 90 Millionen Euro erzielen konnte. Die Medienanstalt Berlin Brandenburg nennt in ihrer Stellungnahme allerdings eine "Questico AG" als verantwortlich für den Esoterik-Sender.

Die Geschäftspraktiken des Senders stehen seit Jahren in der Kritik. Mehrere Fälle sind bekannt, in denen die Beratung von AstroTV zu einer enormen Verschuldung einzelner Nutzer geführt hat. Die Macher der Online-Petition fordern daher, "dass dem Millionengeschäft der Scharlatane ein Ende gesetzt wird".

ep

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