Benno Fürmann in "Heil"

Mit gutem Instinkt und scharfem Auge

Dietrich Brüggemann beweist mit der Satire „Heil“ Mut und kreiert eine aberwitzige Komödie in der ein afrodeutscher Autor auf eine Lesereise nach Ostdeutschland geschickt wird.

Willkommen in Pittwitz. Der fiktive Ort in Brandenburg, in dem der Berliner Filmemacher Dietrich Brüggemann seine Satire „Heil“ angesiedelt hat, wird in den ersten Einstellungen gleich markant charakterisiert: Auf einem verwaisten Parkplatz schrubbt eine Asiatin ihren gammeligen Thai-Imbiss-Wagen. Ein misslauniger Rentner mit Rollator schiebt vorbei. Dann Auftritt eines jugendlichen Skinheads mit Spraydose, der sich im Parolensprühen an der Hauswand übt. Mehr braucht es nicht, um die lähmende Ödnis und Tristesse einzufangen, in der sich die aberwitzige Geschichte abspielen wird.

Dietrich Brüggemann besitzt einen guten Instinkt und ein scharfes Auge für die Absurditäten der Politik und der Medien – und genügend Wut und Mut, seine Beobachtungen und seine Kritik an den Zuständen in eine scharfe Farce zu packen. Dass er in „Heil“ dabei gelegentlich übers Ziel hinausschießt und nicht jeder Gag sitzt, lässt sich verschmerzen. Die grobe Marschrichtung stimmt, wenn er den afrodeutschen, von Integration predigenden Autor Sebastian Klein auf eine Lesereise nach Ostdeutschland schickt. Dort bekommt der eins mit dem Baseballschläger auf den Kopf, verliert sein Gedächtnis und spuckt fortan nur noch rechte Parolen aus. Das Vorzeige-Migrantenkind, einst erklärter Talkshowliebling, wird dank der ungewohnten rassistischen Statements schnell ein Skandal; und von der Presse bis zum Verfassungsschutz will jeder Kleins wundersame Wandlung ergründen.

Brüggemanns nicht immer stimmige Komödie hat glasklare, bestechend hellsichtige Momente. Doch leider verliert der Film allmählich an Spannkraft. Vermutlich um das zu kaschieren, zieht er das Tempo stärker an – und so verpufft mancher großartige Witz in der Nummernrevue des letzten Drittels. 

von Ulrike Frick

„Heil“

mit Benno Fürmann 

Regie: Dietrich Brüggemann 

Laufzeit: 102 Minuten

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Rubriklistenbild: © X-Verleih/dpa

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