"Brenna tuat's schon lang"

Rosenmüller wird Goisern nicht gerecht

München - Eigentlich wären die Voraussetzungen ideal für einen packenden Film. Doch „Brenna tuat’s schon lang“ von Marcus H. Rosenmüller wird Hubert von Goisern nicht gerecht.

Der Typ ist natürlich der ideale Protagonist für eine Dokumentation. Erstens hat er eigentlich keine Lust über sich zu reden. Zweitens hat er eine Menge zu erzählen. Perfekte Voraussetzungen für einen packenden Film, aber leider verspielt „Brenna tuat’s schon lang“ die Gelegenheit mit einer Wurschtigkeit, die man ärgerlich finden kann – und das liegt auf keinen Fall an Hubert von Goisern, dessen Geschichte hier erzählt werden soll.

Denn der hat seine Unlust überwunden, über „biografische Details“ Auskunft zu geben und berichtet vergleichsweise aufgeräumt über seinen Werdegang. Bezeichnenderweise reitet er dabei auf Niederlagen, Enttäuschungen und Katastrophen herum, was von Größe und Fähigkeit zur Reflexion zeugt.

Denn alles, was geklappt hat im Leben des Musikers Hubert von Goisern, nährt sich natürlich aus dem, was zuvor nicht funktioniert hat. Goisern weiß das. Wenn er amüsiert berichtet, wie er seinen ersten professionellen Auftritt verpasste oder sich anfangs auf Anraten der Plattenfirma im Fernsehen zum Deppen machte, erhellt das, woher die Kraft, der Mut stammt, sich immer wieder riskanten Karriereentscheidungen auszusetzen, die in sich das Risiko des Scheiterns tragen.

Doch Regisseur Marcus H. Rosenmüller hatte entweder nicht die Zeit oder die Lust, sich darauf einzulassen und macht exakt so viel, um die Sache nicht auflaufen zu lassen. Wenn Goisern erzählt von der Nemesis Haider, von den Versuchungen des kommerziellen Erfolgs oder der Suche nach dem richtigen Weg durch das Leben, hakt Rosenmüller nicht nach, sondern verdichtet mit Archivmaterial.

Schade drum, obwohl das Betrachten der alten Szenen Spaß macht. (In München: Mathäser, Gloria Palast, Münchner Freiheit, Leopold, City, Rio, Filmeck, Kino Solln.)

Zoran Gojic

„Brenna tuat’s schon lang“

Regie: Marcus H. Rosenmüller

Laufzeit: 95 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Goisern-Fan sind.

Rubriklistenbild: © dpa

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