Doku-Reihe bei "Terra X"

Ex-Restauranttester Rach serviert „Geschichte des Essens“

Christian Rach.
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Christian Rach.

Berlin - Sternekoch und Ex-RTL-Restauranttester Christian Rach testet zum zweiten Mal, ob er auch den ZDF-Zuschauern schmeckt. In der Doku-Reihe „Terra X: Geschichte des Essen“ serviert er Wissenswertes und Skurriles häppchenweise.

Wie Ratten und Schweine ist der Mensch ein Allesfresser. Zugleich besitzt er die Gabe, seinen Speiseplan durch immer neu entdeckte und zubereitete Lebensmittel und Getränke anzureichern, seine Sitten rund um das steinzeitliche Feuer oder den modernen Esstisch zu verfeinern - oder auch nicht. Das hat im Laufe der Zeiten zu manch kulinarischen Blüten geführt. So genossen die Herrschenden gekochte Flamingos, Kamelfüße oder - wie es der Leibkoch des Kurfürsten von Mainz 1581 empfahl - „Neunerlei vom Adler“, während das Volk bis ins 18. Jahrhundert meist mit Getreidebrei vorlieb nehmen musste. Wobei der am Ende wohl sogar das Gesündere war.

Zu einem Streifzug durch die Historie lädt Sternekoch und Ernährungsexperte Christian Rach die Zuschauer ein. In der dreiteiligen ZDF-Dokureihe „Terra X: Geschichte des Essen“ (ab Sonntag, 5. April, 19.30 Uhr) serviert der 57-jährige Fernsehkoch („Rach der Restauranttester“, RTL) Wissenswertes und Skurriles häppchenweise. Mit Spielszenen, Erklärungen aus dem Off, Besuchen in mittelalterlichen Küchen und bei kochenden Nonnas in der Emilia Romagna. Eine bunte Mischung, die manchmal etwas internet-klickartig hektisch wirkt, bei der aber auch viel Interessantes und Relevantes hängen bleibt. Unterteilt in „Vorspeise“, „Hauptgang“ und „Dessert“ geht es in der Reihe im ersten Teil um Aperitif und Brot, Pfeffer und Salz, Suppe und Pasta.

Für Rach, der nach langen Erfolgsjahren bei RTL Anfang 2014 zum ZDF abgewandert war, ist es nach seiner weitgehend beim Publikum unbeachteten Show „Rach tischt auf“ der zweite Versuch, bei den Mainzern richtig Fuß zu fassen. Er habe seinen Wechsel noch nicht bereut, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist wie in einer älteren Beziehung - man muss Strukturen ab und zu mal lösen. Es ging mir allein um den Reiz der neuen Aufgabe“, philosophierte der TV-Profi - der sich mit „Terra X“ nun allerdings wieder im bewährten Doku-Format bewegt.

„Essen ist ein kulturhistorisches Ereignis“, erklärt Rach zum aktuellen, mit Wissenschaftlern erarbeiteten Projekt. Und verweist auf die 4000 bis 6000 Kalorien, die unsere körperlich schwer arbeitenden Vorfahren als täglichen Bedarf hatten. „In Urzeiten und noch im Mittelalter ging es vor allem um das physische Überleben und das Sichern der eigenen Sippe“, sagt der 57-Jährige, „wenn wir heute nur noch etwa 2000 Kalorien benötigen, bedeutet das, dass mit Zunahme unserer geistigen Fähigkeiten das reine Überleben nur noch nebenher läuft, So haben Essen und Trinken eine völlig andere Funktion erhalten.“ Dabei spiegele die Art und Weise der Nahrungsaufnahme soziokulturelle Entwicklungen, meint der Kenner, der bei den Recherchen selbst „sehr viel gelernt“ haben will: „Früher waren im nördlichen Europa etwa gepflegte Tafelfreuden unter freiem Himmel und mit Wein eher unbekannt - einfach, weil das Wetter hier nicht so angenehm ist wie im Süden. Doch inzwischen haben wir aufgeholt und erkennen Kulinarisches als kulturelle Errungenschaft wie Literatur und Malerei an.“

Leider nehmen parallel dazu Wissen und Fähigkeiten rund ums Essen in breiten Schichten ab: Viele Menschen - auch solche, die sich Besseres leisten könnten - ernähren sich von Fastfood, Snacks und Discounterware. Das liege an unserer Schnelllebigkeit, aber auch am politischen Umbruch seit den 60-er Jahren, vermutet Rach. „Den gesellschaftlichen Wandel möchte wohl kaum einer mehr zurücknehmen - doch als die klassische Zweiteilung der Familie aufgehoben und Frauen verstärkt erwerbstätig wurden, hat die Politik etwas versäumt“, bedauert der Küchen-Crack - nämlich das Wissen, das früher die Großmutter an Tochter und Enkelin weitergegeben hatte, in der Schule vermitteln zu lassen. Was neuerdings ja auch passiere. Mit seiner „Geschichte des Essens“ möchte er jedoch keinen Zeigefinger erheben. Sondern vielmehr appetitlich die Sinne schärfen für die sich stetig und spannend wandelnden Genüsse aus Küche und Keller.

dpa

Die dreiteilige Doku-Reihe "Terra X: Geschichte des Essens" läuft ab 5. April jeweils sonntags um 19.30 Uhr im ZDF.

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