Wenig Inhalt – aber sehr viel Stil

"Sin City 2": Sündhaft schönes Kinovergnügen

München - Inhaltlich gibt „Sin City 2“ wenig her, dennoch darf man sich auf ein sündhaft schönes Kino-Vergnügen freuen. Als Zuschauer fühlt man sich, als wäre man mitten in einem gigantischen Comic.

Verrauchte Kneipen, verruchte Frauen und verfluchte Kerle, die vor lauter Coolness kaum gehen können: Mit dem Trash-Kunstwerk „Sin City“, einer bahnbrechenden Mischung aus Comic und Realfilm, hatte Kult-Autor Frank Miller gemeinsam mit Regisseur Robert Rodriguez vor neun Jahren die finstere Welt seiner Graphic Novels erfolgreich auf die Leinwand übertragen. Für die Fortsetzung kombinierte er nun diverse Handlungsstränge aus seinen Büchern mit einer neuen Geschichte.

So erleben wir etwa, wie der Haudrauf-Hüne Marv (Mickey Rourke) zwischen toten Jugendlichen erwacht und herausfinden will, was passiert ist. Der Privatdetektiv Dwight (Josh Brolin) wird von seiner Ex-Freundin Ava (Eva Green), die ihm einst das Herz brach, um Hilfe gebeten, weil ihr Ehemann sie brutal misshandelt. Der großspurige Gangster Johnny (Joseph Gordon-Levitt) legt sich mit dem schlimmsten Bösewicht der Stadt an: mit dem sadistischen Senator Roark (Powers Boothe). Aber auch die Stripperin Nancy (Jessica Alba) hat nach dem Tod ihres Retters John (Bruce Willis) noch eine Rechnung mit dem skrupellosen Politiker offen…

Ein brutales, bluttriefendes Rache-Gemetzel, bei dem nicht nur mit knallharten Fäusten und großkalibrigen Knarren gekämpft wird, sondern auch mit den Waffen einer Frau: Die kompromisslos nihilistische Neo-Noir-Sündenpfuhl-Orgie ist Frank Miller pur – eine postpubertäre Männerfantasie mit Gewaltexzessen, perversen Geschmacklosigkeiten und spärlich bekleideten Damen, die sich entweder als monströse Sexpuppen anbieten oder als männermordende Monster entpuppen. Die Bilder sind zwar in 3D, aber die Figuren bleiben so eindimensional wie in einer brasilianischen Telenovela. Den stärksten Eindruck hinterlässt dabei Eva Green als äußerst freizügige, fiese Femme fatale. Ray Liotta glänzt mit einem fulminanten Auftritt, während Bruce Willis nur noch kurz als Geist auftaucht, weshalb er, anders als im ersten „Sin City“-Film, nicht mehr als starke Identifikationsfigur dienen kann.

Dennoch entwickelt auch diese Fortsetzung einen faszinierenden Sog – wegen der brillanten visuellen Umsetzung. Kaum je wurden hässliche Ereignisse auf der Leinwand so elegant und ästhetisch präsentiert: extrem stilisiert, bisweilen ins Surreale gesteigert, liebevoll komponiert bis ins kleinste Detail, vorwiegend in Schwarz-Weiß, nur mit wenigen, gezielt gesetzten Farbtupfern, die leuchten wie der Lippenstift einer Hure. Wenig Inhalt, aber viel Stil: Dank der 3D-Bilder fühlt man sich als Zuschauer tatsächlich so, als wäre man selbst mitten in einem gigantischen Comic – ein bestechendes, sündhaft schönes Kino-Vergnügen.

Marco Schmidt

Rubriklistenbild: © Splendid Film/Sony/2014-Dimension Films

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