Claas Danielsen: Er fordet mehr Beachtung für Dokumentarfilme

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Wünscht sich mehr präsens für Dokumentarfilme im Fernsehen-Claas Danielsen, Direktor des Leipziger Dokumentarfilmfestvals

Leipzig - Im Rahmen des anstehenden Dokumentar- und Animationsfilmfestivals in Leipzig, fordert der Direktor Claas Danielsen mehr Beachtung für Dokumentarfilme.

In einem eindringlichen Appell an die deutschen Fernsehsender hat der Direktor des Leipziger Dokumentarfilmfestivals, Claas Danielsen, mehr Beachtung für diese Filmgattung gefordert. Er beobachte seit Jahren die Verdrängung des Genres ins programmliche Abseits, sagte der Regisseur am Montagabend zur Eröffnung des 52. Internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm. “Mir wird immer klarer, dass dies das Ergebnis einer gefährlichen Haltung Programmverantwortlicher gegenüber dem Zuschauer ist“, sagte Danielsen und erhielt dafür viel Beifall. Der Zuschauer werde oft für eingeschränkt aufnahmefähig und etwas zurückgeblieben gehalten und damit letztlich als unmündiger Bürger abgestempelt.

Ungewöhnliche Themen

Komplexe, ungewöhnliche und fordernde Themen und Erzählweisen seien im Massenmedium Fernsehen unerwünscht. “Ich fordere die Kolleginnen und Kollegen in den von uns allen finanzierten Funkhäusern auf: Steuern Sie um und widerstehen Sie. Zeigen Sie sich! Zeigen Sie ihre Frustration und Wut, die ich in Gesprächen mit intelligenten Redakteuren immer wieder höre“, sagte Danielsen. “Ein wirklich guter Film zeichnet sich durch eine Haltung aus, die ich an der Wahl der Protagonisten, der Bilder, der Worte, der Töne, am Rhythmus, aber auch an den Auslassungen erkenne.“ Themen, die jenseits des regionalen oder nationalen Sendegebiets angesiedelt sind und mit Neugier das Fremde erkunden und Vorurteile aufbrechen, kämen fast nicht mehr vor.

Kaum Originalsprache

Zudem seien kaum Dokumentationen in Originalsprache zu sehen. “Machen wir uns mal klar, was da passiert: Den Menschen vor der Kamera wird ihre Stimme genommen!“, sagte der Direktor des Festivals. In Leipzig werden bis zum 1. November 330 Filme aus 69 Ländern gezeigt. “Wir hoffen, dass wir wieder auf 28 000 Zuschauer kommen“, sagte Danielsen. Viele der Filme werden das erste Mal überhaupt gezeigt. Das Festival ist das nach Amsterdam größte Dokumentarfilm- Festival in Europa. 2578 Filme aus 108 Ländern wurden diesmal eingereicht.

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