Völkermord-Drama

The Cut: Das Trauma der Armenier

Regisseur Fatih Akins „The Cut“ über den türkischen Völkermord an den Armeniern ist ein wichtiger Film – überzeugend ist er allerdings nicht.

Irgendetwas stört. Es braucht eine Weile, bis man dahinter kommt, was genau. Aber ja, leider: Es ist Tahar Rahim, gefeierter französischer Schauspieler – in diesem Film jedoch völlig fehlbesetzt. Das ist umso tragischer, als er das neue Werk von Fatih Akin allein tragen muss. Dass ihm das nicht gelingt, ist einer der Gründe, weshalb das ambitionierte Regie-Projekt gescheitert ist.

„The Cut“ ist ein wichtiger Film, überzeugend ist er nicht. Deutsch-Türke Akin widmet sich dem Völkermord an den Armeniern. Hintersinnig stellt er dem Film die Worte voran: „Es war einmal, es war keinmal“ – eine Anspielung auf das jahrzehntelange Leugnen der historisch belegten Grausamkeiten seitens der Türkei. Schade, dass Akin hier nicht weitergemacht hat. Statt Interpretationsspielräume zuzulassen, überfrachtet er seinen Film mit Symbolen, allzu deutlichen Bildern. Es gelingt ihm zwar, das Grauen vorzuführen, die hässliche Fratze der Menschheit. Doch den dahinter liegenden Konflikt, Einblicke in die Psyche der Mörder bietet der Regisseur nicht.

Stattdessen: gemäldeartige Bilder von aufgestapelten Leichen; Fliegen, die durch Blutlachen und über offenen Wunden surren; Schreie der Sterbenden. Das alles in sandige Wüstenfarbe getaucht. Sie überzieht die Szenerie wie ein Totentuch. Und trotzdem: Mehr als tiefes Abgestoßensein von all dem löst der Film nicht aus.

Tahar Rahim spielt Nazaret Manoogian – einen armenischen Vater, der sich nach dem grausamen Morden auf die Suche nach seinen beiden Töchtern macht – allzu teilnahmslos. Sein Teddybären-Gesicht sieht auch nach Jahren des Leids unberührt aus – er scheint keinen Moment gealtert, wirkt weniger wie ein verzweifelter Vater als wie ein Junggeselle auf Wanderschaft. So wird seine Reise für den  Zuschauer eine langatmige, mit immer weiteren Wendungen angereicherte Odyssee.

Dieses Projekt war Fatih Akin eine Herzenssache. Er wollte alles mit hineinbringen – den Völkermord und dessen Nachwirken über die Jahre hinweg. Das aber ist zu viel. Und so bleibt am Ende wenig hängen. Schade.

"The Cut"

mit Tahar Rahim

Regie: Fatih Akin

Eine gelungene Dokumentation zum Thema ist „Aghet – ein Völkermord“.

von Katja Kraft

Rubriklistenbild: © Gordon Muehle/bombero int./Pandora Film Verleih 2014

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