Einfach überzuckert

Dann lieber doch das Buch über „Karius und Baktus"

Der Feind: Zucker. Die Lösung: Damon Gameau. Doch der verliert sich in „Sugar Film“ im Missionierungswahn und verliert den Bezug zur seriösen Aufklärung. 

Früher waren Dokumentarfilme vor allem eins: ein bisschen langweilig. Wenig Spaß, stattdessen Infos, Experten, einander widersprechende Meinungen. Dann kam Michael Moore („Bowling for Columbine“) und machte aus der Doku eine witzige, polemische Sause. Einziges Problem: Sein Zynismus und seine Subjektivität beraubten die Themen ihrer Dialektik.

So etwas wie Dialektik scheint Regisseur Damon Gameau grundsätzlich verhasst zu sein. Seine Dokumentation über die Gefahren des Zuckers kommt knallig bunt daher. Da plaudern Experten von Süßigkeitenpackungen herunter, da klären Stars wie Hugh Jackman in Kasperlpuppenmanier über stark vereinfachte Zusammenhänge auf, dazu läuft Depeche Modes „I just can’t get enough“. Hauptsache unterhaltsam, lustig, simpel.

Gameau stopft Zucker in sich hinein, um zu beweisen, wie schlimm die Auswirkungen der unterschätzten Droge sind. Der Australier scheint einem Missionierungswahn verfallen: Nach 30 Minuten hat man das Gefühl, der Zucker sorge nicht nur für Diabetes und Fettleibigkeit, sondern habe mindestens die Atombombe zu verantworten. Der Regisseur krankt zudem an Selbstdarstellungsmanie: Freundin und Kind werden in die Handlung eingebaut; was das mit Zucker zu tun hat? So viel wie der Film mit seriöser Aufklärung: nichts.

„Voll verzuckert – That Sugar Film“

Regie: Damon Gameau

Laufzeit: 102 Minuten

Lesen Sie lieber das Kinderbuch „Karius und Baktus“ über die Gefahren von Zucker für die Zähne.

hil

Rubriklistenbild: © dpa

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