Genial und verstörend zugleich

"Der Bunker": Über die Grenzen aller Genres hinweg

München - „Der Bunker“ sprengt alle Grenzen von Komödie, Satire, Drama bis Horror. Genauso widersprüchlich lässt sich der Film beschreiben: präzise, liebevoll, erschütternd und entlarvend.

Harte, aber ehrliche Worte: „Aus dem ehemaligen narzisstischen Parasiten muss (...) ein aktives Individuum werden, das künftig die Last seiner Existenz selber trägt.“ So beschreibt der 2005 verstorbene Psychoanalytiker Béla Grunberger den Werdegang vom Säugling zum Erwachsenen. Dass der Narzissmus, also die Unfähigkeit, den anderen Menschen als vom Ich getrenntes Objekt wahrzunehmen, nicht nur im Neugeborenen, sondern in der Familie an sich angelegt ist, illustriert nun ein deutscher Spielfilm.

„Der Bunker“ von Nikias Chryssos sprengt alle Genres. Er nutzt Elemente der Komödie und Satire ebenso wie solche des Horrorgenres und Dramas. Die Bilder sind präzise und mit der psychologischen Tiefe klassischer Gemälde ausgestattet, die Interieurs liebevoll arrangiert, aber in ihrer Bedeutsamkeit erschütternd, entlarvend, entsetzlich.

Der erwachsene Schauspieler Daniel Fripan spielt den achtjährigen Klaus – eine bizarre Idee, die ebenso genial wie verstörend ist. Klaus lebt mit Mutter und Vater in einem Bunker und soll dort auf geradezu perverse Weise die Erwartungen seiner Eltern erfüllen, die ihn freilich entsetzlich lieben. Ein Student, der in diese familiäre Ursuppe hineinplumpst, soll bei Klausens Erziehung helfen. In der Analyse des mütterlichen, väterlichen und innerfamiliären Narzissmus ist „Der Bunker“ so brillant und gnadenlos, dass er viele Menschen verschrecken dürfte. Das ändert jedoch nichts daran, dass das Werk auf eine Wahrheit gestoßen ist, die unbedingt ans Tageslicht gehört.

„Der Bunker“

mit Pit Bukowski, Daniel Fripan Regie: Nikias Chryssos

Laufzeit: 85 Minuten

Hervorragend

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie eine Mischung aus „Rosemary’s Baby“ und „Praxis Dr. Hasenbein“ mögen.

Katrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © SnackTV

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