"Der Staat gegen Fritz Bauer"

Alles was Un-Recht ist

Diese Besetzung ist ein Glücksgriff: Burghart Klaußner als Fritz Bauer (li.), hier mit Ronald Zehrfeld, der den jungen Staatsanwalt Karl Angermann spielt. Foto: Martin Valentin Menke
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Diese Besetzung ist ein Glücksgriff: Burghart Klaußner als Fritz Bauer (li.), hier mit Ronald Zehrfeld, der den jungen Staatsanwalt Karl Angermann spielt. 

Lars Kraume zeichnet in „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ein stimmiges Bild der Bundesrepublik in den Sechzigerjahren. Lesen Sie hier unsere Filmkritik.

Ein Jurist ist im deutschen Kino selten ein Held. Während im US-amerikanischen Gerichtsdrama ein schwarzberobter Supermann nach dem anderen Geschworene becirct und unschuldige Lämmchen von der Anklagebank in die Freiheit schubst, taugt der hiesige Richter, Verteidiger oder Staatsanwalt bislang allenfalls zur bieder-schlichten Vorabendserie.

Der stets äußerst einfühlsam arbeitende Regisseur Lars Kraume könnte das ändern: Sein historisch akkurater, bis in die Topfpflanzen auf dem Fenstersims Sechzigerjahreflair verströmender Spielfilm „Der Staat gegen Fritz Bauer“ bietet alles, was ein klassisches Heldenepos braucht. Allen voran neben einer klug und spannend inszenierten Handlung einen verlässlichen Hauptdarsteller.

Mit dem hochdekorierten Burghart Klaußner hat Grimme-Preisträger Kraume einen echten Glücksgriff getan. Klaußner war ja noch nie richtig schlecht in einem Film, aber auch noch nie so brillant und trotz Krawatte und Anzug so schillernd wie hier als Fritz Bauer. Mit einem kurzen Heben der Augenbraue umreißt Klaußner als unbeugsamer hessischer Generalstaatsanwalt ganze Schicksale.

Kraume ist ein Spezialist für feine Zwischentöne, für Unausgesprochenes, stets gepaart mit einer beträchtlichen Lässigkeit. Allein wie einer langsam die Asche seiner Zigarette im Aschenbecher abstreift, hat bei diesem Regisseur genialen Hintersinn. Thematisch ähnelt „Der Staat gegen Fritz Bauer“ dem im vergangenen Jahr gezeigten „Im Labyrinth des Schweigens“ von Giulio Ricciarelli. In beiden Fällen geht es um jenen legendären Fritz Bauer, der während des Nationalsozialismus als Jude und Sozialdemokrat verfolgt wurde und sich nach dem „Dritten Reich“ der Jagd nach NS-Verbrechern widmete. Bauer brachte die junge Bundesrepublik, das Wirtschaftswunderland, dazu, sich mit den Gräueltaten der Nazis auseinanderzusetzen. Am Aufspüren von Adolf Eichmann war er maßgeblich beteiligt. Die Akzente sind in den Filmen ein wenig verschoben, dadurch ergänzen sich die Handlungsfäden sehr harmonisch. Kraumes Cool-Jazz-Variation bildet einen lässigen Prolog zu Ricciarellis emotionalerem Film. (In München: Arri, Studio Isabella, Monopol, Abc, City, Kino Solln, Rio.)

Ulrike Frick

„Der Staat gegen Fritz Bauer“

mit Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Jörg Schüttauf Regie: Lars Kraume Laufzeit: 105 Minuten

Hervorragend 

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Im Labyrinth des Schweigens“, den deutschen Oscar-Kandidaten für die Verleihung im kommenden Jahr, mochten.

Kommentare

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