Filmkritik zum Kinostart

"Diana": Prinzessin neu aufpoliert, aber...

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Auch nach ihrer Trennung von Charles war Diana beim Volk beliebt: Naomi Watts spielt Lady Di in Oliver Hirschbiegels Film.

Berlin - Regisseur Oliver Hirschbiegel thematisiert in seinem Drama „Diana“ die letzten Jahre von Prinzessin Di, bleibt aber an der Oberfläche.

Sie war eine der meistfotografierten Frauen der Welt, jeder kannte ihren Namen. Er war ein bescheiden lebender Arzt an einem britischen Krankenhaus, dem das Rampenlicht fremd war. Doch die schöne Prinzessin mit dem gebrochenen Herzen verliebt sich ausgerechnet in den pakistanischen Herzchirurgen. Das klingt nach einer wunderbaren, bittersüßen Liebesgeschichte – oder nach jeder Menge Schmalz.

Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) hat sich der Romanze angenommen, die angeblich Prinzessin Diana und den Londoner Mediziner Hasnat Khan verband. Zumindest behauptet dies Kate Snell in ihrem Buch „Diana: Her last Love“. Im Jahr 1995, Diana lebt längst getrennt von Prinz Charles im Kensington Palace, lernt die „Prinzessin der Herzen“ den Herzchirurgen kennen, an dem sie Interesse findet. Fortan setzt sie alles daran, die flüchtige Bekanntschaft in eine Beziehung zu verwandeln. Sie stellt Khan sogar ihren damals 14- und elfjährigen Söhnen vor. Doch die Liaison scheitert – an der steten Verfolgung durch die aufdringliche Pressemeute. Aber auch an den Vorbehalten von Khans konservativer Familie. Worauf sich Diana in den letzten Wochen vor ihrem Unfalltod im August 1997 dem steinreichen Ägypter Dodi Al-Fayed zuwendet: um Khan mit Hilfe der gesteuerten Paparazzi-Fotos eifersüchtig zu machen. Das behaupten zumindest Snell und Hirschbiegel. Dr. Khan hüllt sich seit damals in Schweigen.

In gewisser Hinsicht erzählt Hirschbiegels Film „Diana“ nun die Vorgeschichte zu Stephen Frears’ Produktion „The Queen“ (2006). Doch der deutsche Regisseur reicht nicht an die inszenatorische Finesse von Frears heran. Zu weichgezeichnet, zu glatt ist seine „Diana“ geraten. Während Frears den allseits bekannten Bildern durch die hinzugedichteten Szenen eine neue Tiefenschärfe verleiht und auch die überall gedruckten Fotos durch diese Sichtweise neu interpretiert, bildet Hirschbiegel lediglich ab und kann den Aufnahmen keine weitere Deutung hinzufügen. Er folgt Diana und Hasnat Khan zwar bis ins Schlafzimmer, doch kommt er ihnen und ihrer Liebe dabei nicht nahe.

Dabei bietet die beeindruckende Naomi Watts in der Titelrolle sehr viele Facetten. Sie legt ihre Figur, von der jeder Zuschauer bereits vor Filmbeginn eine Meinung hat, komplex an und versucht so, dieser Ikone eine würdevolle Mehrdeutigkeit zu bewahren. Doch die Regie verdammt sie zu einer Art Mimikry auf darstellerisch hohem Niveau.

„Diana“ lotet nicht bislang unergründliche Tiefen aus, sondern poliert die vertraute Oberfläche nur neu auf. Dennoch, die boshafte Kritik, die Hirschbiegels Film in Großbritannien entgegenschlug, ist nicht ganz gerechtfertigt. Denn so schlimm ist sein etwas zu gut gemeinter Blick auf Lady Di nicht. Handwerklich ist „Diana“ hervorragend gemacht, und die Schauspieler geben sich alle Mühe, die Seifenopern-Dialoge mit Leben zu füllen. Aber Hirschbiegel hätte sich den Ärger sparen können: Wenn er einen richtigen, gefühlvollen Liebesfilm hätte drehen wollen, im Stile von klassischen Romanzen – warum hat er nicht einfach einen gedreht, ohne irgendwelche berühmten Charaktere als PR-Krücke? „Ein Herz und eine Krone“ (1953) hat doch auch funktioniert. Und zwar ohne dass sich die Geschichte um Prinzessin Margret drehte, wie ursprünglich geplant war.

von Ulrike Frick

Lady Di: Stationen eines Lebens

1961: geboren am 1. Juli als Diana Frances Spencer in der englischen Grafschaft Norfolk.

1977: erste Begegnung mit Prinz Charles. 1979: Arbeit als Kindergärtnerin in London.

1981: Heirat mit Charles.

1982: Sohn William kommt zur Welt.

1984: Geburt von Prinz Harry.

1986: Dianas erste Begegnung mit dem Milliardärs- Sohn Dodi Al-Fayed.

1992: Andrew Morton prangert die Beziehung von Charles und Camilla Parker Bowles in einem Buch über Diana an. Bald darauf ist die Trennung von Diana und Charles offiziell.

1996: Scheidung von Charles.

1997: Wiedersehen und Beginn einer Beziehung mit Al-Fayed. Bei einem Autounfall in Paris werden beide tödlich verletzt. Diana stirbt am 31. August.

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