Trailer und Filmkritik

„Die Liebe seines Lebens“: Kriegs-Kitsch mit Kidman und Firth

Jonathan Teplitzkys Drama „Die Liebe seines Lebens“ bewegt sich zwischen schonungslosen Kriegsschilderungen und Liebes-Kitsch. Hier der Kinotrailer und die Filmkritik.

„Die Liebe seines Lebens“ – da denkt man an großes Glück und brennende Leidenschaft. Aber nicht an das, was sich tatsächlich hinter dem deutschen Titel des Films „The Railway Man“ verbirgt. Das von Jonathan Teplitzky schonungslos und emotional erzählte Drama handelt zwar auch ein bisschen von der Liebe des Helden Eric Lomax, der in der Krankenschwester Patti (Nicole Kidman) schließlich eine Partnerin findet, die ihm im Kampf gegen seine Dämonen beisteht. Doch in erster Linie dreht sich der Film um das Leben des Schotten Eric Lomax.

Den hat es wirklich gegeben, und seine autobiografischen Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkriegs sind so dramatisch, dass eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit war. Lomax, der 2012 während der Dreharbeiten zum Film im Alter von 93 Jahren starb, diente als britischer Soldat im Fernen Osten und geriet 1942 in japanische Kriegsgefangenschaft. Mit weiteren schottischen, englischen und amerikanischen Offizieren, die mit Lomax in einem Lager im thailändischen Dschungel gefangen gehalten wurden, um dort an einer Eisenbahnlinie zu bauen. Unter unmenschlichen Bedingungen und grausamer Folter sollten die Männer die für die Japaner kriegswichtige Bahnverbindung zwischen Thailand und Burma errichten. Sehr viele der Kriegsgefangenen überlebten diese Torturen nicht, deswegen wird die Strecke heute noch „Todeseisenbahn“ genannt.

Zwei Filme, basierend auf Memoiren anderer Überlebender, existieren bereits: David Leans „Die Brücke am Kwai“ (1957) mit Alec Guiness und „Gefangen in der Hölle“ aus dem Jahr 2001 mit Kiefer Sutherland in einer der Hauptrollen. Thematisch ähneln sich die Produktionen erwartungsgemäß. Die Liebesgeschichte zwischen Eric und seiner späteren Frau Patti mag sich so zugetragen haben und dem seelisch Versehrten eine große Hilfe im späteren Leben gewesen sein. Im Film von Jonathan Teplitzky kommt das zu wenig heraus, erscheint die Love Story wie ein nachträglich angeklebter und weitgehend überflüssiger Wurmfortsatz. Daran können auch der brillant aufspielende Colin Firth und die sich daneben ehrenwert behauptende Nicole Kidman nichts ändern.

Die eigentliche Dramatik schöpft der Film ausschließlich aus den Traumata Erics und den in Rückblenden erzählten Ereignissen im Lager. Doch da Teplitzky „Die Liebe seines Lebens“ zwar wunderschön bebildert, aber keinen rechten Rhythmus findet, plätschert die zwischen den Achtzigerjahren (dem Kennenlernen von Eric und Patti) und 1942 angesiedelte Handlung seltsam vor sich hin. Mal stören die Sprünge in die eine, mal jene in die andere Zeit. Ein durchgehendes Tempo, eine klare Linie findet Teplitzky erst im letzten Drittel – ehe er sein anfangs so sensibles und vor allem gut gemeintes Porträt einer gemarterten Seele endgültig im Kitsch versenkt.

„Die Liebe seines Lebens

mit Colin Firth, Jeremy Irvine,

Nicole Kidman

Regie: Jonathan Teplitzky

Laufzeit: 108 Minuten

Rubriklistenbild: © Jaap Buitendijk/Koch Films GmbH

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