Der bekannteste ist WM-Star

Doku über die Thomas Müllers in Deutschland

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Der Fußballspieler Thomas Müller in einer undatierten Filmszene des Kinofilms "Wer ist Thomas Müller?"

Hamburg - Max Mustermann müsste eigentlich Thomas Müller heißen. Denn dieser Name steht für den Durchschnittsdeutschen überhaupt - außer man ist Fußballprofi. Der Dokumentarfilm „Wer ist Thomas Müller?“ macht das überdeutlich.

Wir sind nie allein. Nicht auf der Post, nicht beim Einchecken am Flughafen und nicht beim Einwohnermeldeamt - immer wieder lautet die Frage: „In welcher Straße wohnten Sie noch mal?“ Oder: „Haben Sie mal ihr Geburtsdatum parat? Wir haben da mehrere Thomas Müller.“ Es dürfte eine der häufigsten Namenskombination in unserem 80-Millionen-Volk sein, genaue statistische Daten gibt es nicht.

Doch auch ohne statistisches Siegel macht es uns kaum Spaß, uns selbst zu googeln. Wir finden immer wieder die gleichen Verweise auf den einen großen Thomas Müller, der gerade in Brasilien zum Star dieser Fußball-WM avanciert. Uns selbst finden wir aber so gut wie nie.

Aber diese Fußball-WM ist auch eine Chance für uns. Denn im Ausland, wo niemand weiß, wie viele wir wirklich sind, werden jetzt dank des Bayern-Stars die Augen ein wenig größer, wenn wir unseren Namen nennen. Ach ja, wir Thomas Müller sind einfach zu viele - doch immerhin wurde uns ein ganzer Film gewidmet. In seinem als Roadmovie ausgelegten Dokumentarfilm „Wer ist Thomas Müller?“ reiste Autor und Regisseur Christian Heynen durch die Republik, um einen Blick hinter die Statistik des Durchschnittsdeutschen zu werfen. Der Film hatte im März Premiere in den deutschen Kinos; im September kommt die DVD auf den Markt, die TV-Ausstrahlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist auf April 2015 terminiert.

Heynen besucht einige Thomas Müllers und befragt sie zu ihrem alltäglichen Leben und ihren Ansichten. Er trifft in Bayern den erfolgreichen Börsenanalysten, der sich an seinen Dutzendnamen gewöhnt hat und meint: „Wenn man schon Müller heißt, dann ist der Thomas auch schon wurscht.“ In Berlin interviewt er den Musiker Thomas Müller, der beinahe mal Sänger der Band Die Ärzte geworden wäre und damit schon vor dem Fußballer unserem Namen zu mehr Glanz verholfen hätte. Heynen trifft den Comedian Thomas Müller, der feststellt, dass der Deutsche am liebsten über Fäkalhumor lache, oder den Pastor Thomas Müller, der sich trotz sinkender Zahlen von Kirchgängern nicht in seinem Glauben beirren lässt.

Dazu präsentiert Heynen immer wieder recht deprimierende Statistiken: So arbeitet „Thomas Müller“ 41,9 Stunden in der Woche, trinkt zwei Gläser Bier am Tag und gilt allgemein als Spießer. Er ist 1,78 Meter groß, hat blonde Haare, wohnt zur Miete in einer 87-Quadratmeter-Wohnung und hat jeden dritten Tag Sex - meistens mit seiner Frau, die rein statistisch gesehen Sabine Müller heißt.

Und dann trifft er auch noch unseren großen Star, den Fußballer Thomas Müller. Im Gegensatz zum Durchschnitts-Müller, der laut Statistik des Films selten bis nie Sport treibt und fünf Kilo Übergewicht hat, ist der Nationalspieler sehr fit und sehr prominent. Mit seinem Dutzendnamen hat er sich abgefunden. „Ich weiß, dass ich Repräsentant von Deutschland bin“, meint er. Aber: „Ich versuche einfach, ich selbst zu sein, und da ich ja scheinbar der Durchschnittsdeutsche bin, passt das ganz gut, wenn ich einfach ich selbst bin. Dann komme ich in der Mitte des Volkes am besten an.“

Genauso hält er es auch nach dem furiosen 4:0 der deutschen Elf im WM-Vorrundenspiel gegen Portugal am Montagabend. Nicht abgehoben oder mit Superstar-Allüren kommentierte er seinen Dreierpack und seine bislang acht Tore bei zwei Weltermeisterschaften: „Wir bleiben ruhig, ich bleibe ruhig“, sagte der 24-Jährige laut „Zeit Online“. Dann doch wieder irgendwie ganz durchschnittsdeutsch dieser Thomas Müller.

dpa

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