Spurensuche

Drehorte: Wo Pumuckl seinen Schabernack trieb

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Vor Meister Eders Werkstatt: Hier suchen der Schreiner, gespielt von Gustl Bayrhammer (li.), und seine Nachbarn einen entflogenen Vogel.

München - Vor 30 Jahren begannen in München die Dreharbeiten zur Kultserie „Pumuckl“. Sebastian Kuboth ging auf Spurensuche und führt heute die Fans der Serie zu bekannten Original-Drehorten.

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Die Widenmayerstraße im Münchner Lehel: Hier rauscht die Isar, und die Autos rasen zweispurig. Am dicken Holzportal von Haus Nummer 2 schlendern achtlos Passanten vorüber, nicht ahnend, dass dahinter eine heimliche Pilgerstätte liegt. Zumindest für alle, die an Kobolde glauben…

Pumuckl-Drehorte: So sehen sie heute aus

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Denn im Hinterhof stand einst das gelbe Haus mit dem runden Giebel, das Kinder und Kindsköpfe als „die Schreinerwerkstatt“ aus dem Fernsehen kennen. Hier lebte der Pumuckl mit seinem Meister Eder. Hier begannen vor 30 Jahren die Dreharbeiten zur TV-Kultserie des Bayerischen Rundfunks.

Sebastian Kuboth (re.) heute am selben Ort – die Werkstatt wurde abgerissen.

Mittlerweile kommt hier regelmäßg Sebastian Kuboth vorbei. Und mit dem 25-Jährigen meist eine Schar Pumuckl-Fans, die mit entsetzten Gesichtern auf jenen Ort starren, an dem einst die Werkstatt stand. Kuboth, selbst koboldbegeistert, bietet Führungen zu den Münchner Drehorten der Fernsehserie an und leitet viele Gruppen etwa in die Haidhauser Hinterhöfe mit Pumuckl-Vergangenheit. Oder zu Kellerfenstern im Lehel, aus denen der rothaarige Wicht in einer Folge herausbellte und die Passanten erschreckte.

Natürlich wollen die Teilnehmer auch die Werkstatt sehen – oder zumindest das, was übrig geblieben ist: Rasen, Bäume, Mülltonnen, ein fades Bürogebäude. „Die Werkstatt wollten sie schon viel früher abreißen, aber Franz Josef Strauß hat sich in den Achtzigern dafür eingesetzt, dass sie so lange bleibt, bis die zweite Serienstaffel abgedreht ist“, berichtet Kuboth. Doch noch am letzten Drehtag, Ostern 1985, kurz nachdem die Szenen zur Folge „Das Spiel mit dem Feuer“ im Kasten waren, musste das putzige Bauwerk weichen. Zu alt, zu vermodert.

Für viele Fans brach damals eine Welt zusammen. Doch die Renovierung des Gebäudes hätte wohl Unsummen verschlungen. Ein Hausmeister des nahe gelegenen Wilhelmsgymnasiums, das Sebastian Kuboth ebenfalls auf seinen Touren besucht (hier wurden Flurszenen für „Pumuckl und die Schule“ aufgenommen), erzählte ihm, der unterirdische Eisbach sei schuld am Schimmel.

Erst seit Anfang dieses Jahres bietet Pumuckl-Fan Kuboth, der eigentlich als Community Manager arbeitet, die Führungen an. Es dauerte jedoch, bis alle Drehorte recherchiert waren. Vorarbeiten leistete bereits im Jahr 2003 ein mit Kuboth bekanntes Studentenpaar: Per Klingelstreich kamen sie damals in den Werkstatt-Hinterhof, um zu prüfen, ob irgendwo nicht doch noch Pumuckl hervorlugt.

Kuboth und ein befreundeter Koboldsverehrer trieben das Spiel weiter: Sie machten Fotos von Außenaufnahmen der Serie und hielten diese dem Pumuckl-Regisseur Ulrich König unter die Nase. Der konnte sich gottlob an viele Orte erinnern. Kuboths Kumpel lief daraufhin durch die Stadt, um die meisten Orte zu fotografieren – und machte eine lustige Begegnung: Als er vor einem ehemaligen Tagelöhnerhäusl in Haidhausen nach einem ganz bestimmten Fenster aus der Serie suchte, traf er eine alte Dame. Er zeigte ihr das Bild aus „Der große Krach“, in der der Kobold an zwei im Fenster sitzenden Wellensittichen vorbeitrottet, und fragte: „Wissen Sie, wo das ist?“ Die Frau stutzte, deutete auf einen Vogel auf dem Foto: „Ja, so was. Des is ja mei Bazi!“

Bis auf drei, vier Außendrehorte haben die Koboldsfreunde alle Schauplätze ihrer Lieblingsserie gefunden. Mit den Innendrehs hatten sie nicht so viel Erfolg. „Das kann ja jede beliebige Wohnung gewesen sein“, meint Kuboth. Für seine Führungen kommen Privatwohnungen ohnehin nicht in Frage: Welcher Mieter mag schon jede Woche eifrig fotografierende Pumuckl-Touristen in seiner Wohnung?

Katrin Hildebrand

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.pumucklhomepage.de

Führungen können unter www.drehorte-muenchen.de gebucht werden.

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