Komödie aus Frankreich

Christian Clavier wünscht sich "nur eine Stunde Ruhe"

Obwohl die französische Theaterkomödie „Nur eine Stunde Ruhe“ gerade mal 79 Minuten lang ist, wirkt sie in Spielfilmlänge auf der Leinwand arg gestreckt.

Der Zahnarzt Michel (Christian Clavier) entdeckt auf einem Flohmarkt eine seltene Jazzplatte aus dem Jahr 1958. Ein Schnäppchen, das er zuhause sofort anhören will. Die restlichen Termine für diesen Tag hat Christian geschickt abgesagt oder delegiert, er träumt vom Sofa und der Musik. Doch ständig kommt etwas oder jemand dazwischen: der polnische Klempner, die Mutter, die Frau, der erwachsene Sohn, die Nachbarn – Michel ist am Verzweifeln.

Der aktuelle Trend, Theaterstücke auf die Leinwand zu bringen, setzt sich mit „Nur eine Stunde Ruhe“ fort: Regisseur Patrice Leconte („Ridicule“, „Der Mann der Friseuse“) hat schnell reagiert, als das gleichnamige Theaterstück von Florian Zeller im Frühjahr 2013 die Pariser Bühnen eroberte. Er arbeitete die launige Komödie ein wenig um, änderte manches den Kino-Sehgewohnheiten entsprechend.

Mit dem französischen Schauspieler Christian Clavier, der in seiner Filmografie überwiegend Komödien wie zuletzt „Monsieur Claude und seine Töchter“ vorzuweisen hat, konnte Leconte ein souveränes Zentrum für seine Adaption verpflichten. Ihm allein ist es zu verdanken, dass die Leinwandfassung von „Nur eine Stunde Ruhe“ nicht komplett ins Alberne abschmiert, sondern bei allem dazwischen gestreuten Klamauk immer auch ein Gran Lebensweisheit enthält.

Genau genommen passiert im Film nämlich nicht allzu viel: Michel, ein bärbeißiger Choleriker in den Sechzigern, legt daheim die Platte auf, wirft sich auf die Couch – und wird gestört. Da setzen die portugiesischen Handwerker, die sich als Polen ausgeben, die schicke Altbauwohnung unter Wasser. Die Gattin nervt, die Freundin der Gattin ebenfalls, die Haushälterin rollt mit den Augen, und schließlich quartiert Sohn Sébastien eine asiatische Flüchtlingsfamilie im Haus ein.

Das Timing ist nahezu perfekt, die Dialoge sind originell, und die Pointen sitzen. Trotzdem hat man nach der Hälfte des Films das Gefühl, jetzt ist alles erzählt. Von nun an wiederholt sich Leconte in einigen durchaus sehenswerten, aber letztlich doch ermüdenden Schleifen. Wieder wird Michel gestört, wieder wird er pampig, wieder poltert ein Handwerker herein. Das erinnert an Louis-de-Funés-Filme und entfernt an das Urzeit-Säbelzahnhörnchen Scrat und seine Nuss in „Ice Age“.

Nur 79 Minuten sind für einen Spielfilm extrem kurz. Wie sehr Leconte das bisschen Inhalt gestreckt hat, sieht man leider trotzdem sehr genau.

von Ulrike Frick

„Nur eine Stunde Ruhe“

mit Christian Clavier, Carole Bouquet, Valérie Bonneton

Regie: Patrice Leconte

Laufzeit: 79 Minuten

Rubriklistenbild: © Pascal Chantier/dcm

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