Filmkritik

"Das erstaunliche Leben des Walter Mitty"

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Walter Mitty (Ben Stiller) entdeckt sein Leben neu.

"Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" reicht als Remake natürlich nicht an das Original von 1947 heran. Dennoch ist die Neuauflage bemerkenswert gut geworden. Unsere Filmkritik:

Wer mit Walter Mitty das melancholisch, verwirrte, unsagbar liebenswerte Gesicht von Danny Kaye verbindet, dem muss man sagen: Natürlich kommt das Remake dieses Klassikers nicht an das Original von 1947 heran. Schon alleine deswegen, weil Danny Kaye nicht mit dabei ist. Andererseits kann man darauf hinweisen: Diese Neuauflage ist gar nicht im Wettstreit mit dem Original, es ist im Grunde ein vollkommen anderer Film. Und ein bemerkenswert guter dazu.

Die Ausgangsidee bleibt freilich die gleiche: Walter Mitty ist ein sehr freundlicher, aber auch sehr lebensuntüchtiger Träumer, der ziellos durch sein Leben treibt und dabei ziemlich viel Mühe darauf verwendet, sich selbst aus dem Weg zu gehen. Doch irgendwann gibt es keine Möglichkeit mehr, sich der Wirklichkeit zu entziehen: Die Zeitschrift für die Mitty arbeitet, stellt ihr Erscheinen ein, Mitty hat gar keine andere Wahl, als das Träumen einzustellen und mit dem echten Leben zu beginnen.

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Der Reiz dieser Konstellation liegt auf der Hand: auf die eine oder andere Weise sind wir alle Walter Mitty. Haben Angst vor dem Unbekannten, scheuen das Risiko, meiden die Gefahr des Scheiterns. Aber wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, nichts zu verlieren hat, dann kann man springen – und sehen, was dann passiert. Erstaunlicherweise ziemlich viel Gutes.

Soweit ist das nicht übertrieben originell, aber was den Film so sehenswert macht, ist Ben Stillers verblüffend abseitige Inszenierung. Der Humor ist verschroben, leise, skurril und die Figuren präzise gezeichnet. Für eine Hollywood-Komödie eher ungewöhnlich. Es steckt erkennbar Herzblut in diesem ungewöhnlichen Werk, man kann förmlich spüren, mit welcher Leidenschaft Stiller in die Geschichte eintaucht. Ob Stiller der ideale Hauptdarsteller für diesen Film ist, darf man bezweifeln, obwohl er für seine Verhältnisse subtil spielt. Aber als Regisseur ist Stiller bei diesem Film eine echte Entdeckung. Die vielen schönen Ideen, die er wunderbar beiläufig einbringt, die liebevollen Details, auf die er achtet, verleihen dem Film eine Qualität, die man nicht übertrieben oft zu sehen bekommt. Stiller gelingt es sogar, Hollywoods Parade-Macho-Edelmimen Sean Penn eine selbstironische Darstellung abzutrotzen. Und er verschafft einer Legende wie Shirley MacLaine den Raum für einen würdigen Auftritt. Ebenso wie er der großartigen Komikerin Kristen Wiig mit einer surrealen Einlage dazu verhilft, aus der Klischee-Rolle der netten Kollegin auszubrechen.

Es sind Szenen, die sich einem einbrennen, echtes, großes Kino. Da sieht man wohlwollend über einige Hänger und Ungereimtheiten hinweg. Nicht zuletzt weil Stiller auch so gut wie kein anderer vor ihm den Typus des „Medien-Managers“ karikiert. Wie der mit alberner Gel-Tolle, gestutztem Bart und lächerlich engen Hosen durch das Verlagsgebäude gockelt, keine Ahnung von gar nichts habend – das ist wahnsinnig gehässig, aber grandios gut getroffen. Jeder, der ein wenig mit Medien zu tun hat, ist so einem Typ schon mal begegnet. Und wer nichts mit Medien zu tun hat, dem sei versichert: Diese Typen sehen tatsächlich genau so aus.

Unsere Bewertung: Vier Sterne von fünf

Zoran Gojic

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