Fiktive Geschichte um historische Mafia-Figur

"Escobar": Der Gangster mit dem sozialen Gewissen

In „Escobar“ erzählt Andrea di Stefano eine fiktive Geschichte um die historische Figur. Hier gibt es den Kinotrailer und die Filmkritik.

Der Traum vom Paradies. Er trieb schon den Engländer Richard in Alex Garlands Backpacker-Roman „Der Strand“ in die irdische Hölle. Ähnliches wiederholt sich nun mit dem Kanadier Nick (Josh Hutcherson). Der Surflehrer will in Kolumbien eigentlich nur die Wellen genießen und verstrickt sich doch tief in einen mafiösen Clan.

Den Gangster Pablo Escobar hat es wirklich gegeben. Sein Drogenkartell war ein industriell organisiertes Imperium, sein Reichtum gigantisch. Zu seiner Beerdigung im Jahr 1993 kamen über 20 000 Menschen. Der italienische Schauspieler Andrea di Stefano hat sich lange mit dem historischen Escobar beschäftigt, der wegen seines Engagements für die Armen noch heute von einigen Kolumbianern hymnisch verehrt wird. In seinem Regiedebüt baut di Stefano den echten Escobar nun in eine fiktive, aber durchaus mögliche Geschichte ein.

Darin mischen sich die Welten des Surfers und des Schlächters mit dem sozialen Gewissen: Ohne zu wissen, auf was er sich da einlässt, verliebt sich Nick in Maria (Claudia Traisac), Escobars Nichte. Wie Escobar, von Benicio del Toro unaufgeregt, aber überzeugend interpretiert, den Spagat zwischen Familienehre und Menschenverachtung meistert, wirkt in jeder Sekunde glaubwürdig. Sein Narzissmus steht Nicks anfänglicher Naivität diametral gegenüber.

Überhaupt sind die Männerfiguren sehr dialektisch angelegt, während die Frauen – wie leider in der Realität oft auch – neben den intensiven, strahlenden Bildern der Kamera allenfalls dekorativen Charakter haben oder metaphorisch für das Schöne, Reine beziehungsweise das Unterdrückte stehen. 

von Katrin Hildebrand

„Escobar – Paradise Lost“

mit Benicio del Toro, Josh Hutcherson, Claudia Traisac 

Regie: Andrea di Stefano

Laufzeit: 114 Minuten

Rubriklistenbild: © Alamode Film

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