Tragikkomödie von Kultregisseur Paolo Sorrentino

„Ewige Jugend“ ist ein melancholisches Meisterwerk

Paolo Sorrentinos Spielfilm „Ewige Jugend“ über das Altern ist ein elegant komponiertes Meisterwerk

Zwei alte Herren sitzen in einem Swimmingpool eines feudalen Kurhotels in den Schweizer Alpen. Amüsant und amüsiert plaudern sie über dies und das, als sich plötzlich die gerade amtierende Miss Universum splitterfasernackt  zu  ihnen ins Becken gesellt. Fasziniert starren beide Männer auf die Schönheit, die sich direkt ihnen gegenüber platziert. Sie starren und starren. Bis der eine von ihnen durch einen Hotelpagen gerufen wird. Vorbei ist’s mit dem stillen Rentnervergnügen.

Es sind Brechungen wie diese, die der Filmemacher Paolo Sorrentino oft und gerne in „Ewige Jugend“ einsetzt und die den besonderen Reiz dieses elegant komponierten Meisterwerks ausmachen. Denn was folgt, ist keine abgeschmackte Altherrenfantasie, sondern vielmehr eine kluge, humorvolle Betrachtung des Lebens, des kleinen und des großen Glücks. Das Thema Alter scheint den 45-jährigen Neapolitaner momentan umzutreiben. Doch auch wenn das Grundthema nicht variiert wurde, hat der aktuelle Film „Ewige Jugend“ mit dem oscargekrönten „La grande bellezza – Die große Schönheit“ von 2013 bis auf die geniale Bildsprache und das subtile Ineinandergreifen von Musik und Kameraführung wenig gemein.

Es geht zwar auch in der Geschichte über den alten Filmregisseur Mick (Harvey Keitel) und den ähnlich betagten Dirigenten Fred (Michael Caine) um den nahenden Tod und das letzte Aufblühen der Schönheit und Liebe, passend im goldenen Licht des Davoser Spätherbst fotografiert. Aber Sorrentino wandelt diesmal nicht auf Fellinis Spuren, sondern pflegt wieder seinen eigenen, schon in der Arbeit „Il divo“ deutlich erkennbaren Stil. Aus vielen kleinen Nebenhandlungen und fein ausgestalteten Beobachtungen am Rande fügt sich schließlich ein opulentes, alle Figuren demaskierendes und doch dezentes großes Finale.

Das Erzähltempo seines Films hat Sorrentino dabei sehr klug dem Tagesgeschäft in einem solchen Luxus-Wellness-Idyll angepasst: Rühreier zum Frühstück, dann eine kleine Massage. Danach ein paar gemächliche Runden im Schwimmbecken, während man die übrigen, ringsherum auf Liegen lagernden Gäste beobachten kann. Die sind alle von einer markanten Symbolkraft und befeuern allein durch ihr Aussehen schon die Fantasie von Fred und Mick, aber natürlich auch jene des Zuschauers.

„Ewige Jugend“

mit Michael Caine, Harvey Keitel, Paul Dano, Rachel Weisz

Regie: Paolo Sorrentino

Laufzeit: 118 Minuten

Der Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „La grande bellezza“ mochten.

Rubriklistenbild: © WildBunch/dpa

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