Filmkritik

"Familienfest" ist ein knackig kurzer Affentanz

Lars Kraume zeigt in der Tragikomödie „Familienfest“, dass es mit den Lieben und der Liebe oft ganz anders ist, als es die Ideologie vorgibt. Unsere Kinokritik:

„Mit seiner Familie muss man leben, aber Dich habe ich mir ausgesucht.“ Diese Worte richtet Frederik (Barnaby Metschurat) an seinen Lebensgefährten, bevor sie antreten müssen. Antreten vor dem Patriarchen. Frederiks Vater (Günther Maria Halmer) feiert seinen 70. Geburtstag. Ein Fest im Kreise der Lieben. Doch wer Familienfeste kennt, weiß, dass es mit den Lieben und der Liebe oft ganz anders ist, als es die Ideologie vorgibt.

Regisseur Thomas Vinterberg ließ 1998 in „Das Fest“ einen 60. Geburtstag in den Abgründen familiären Missbrauchs enden. So hart geht Lars Kraumes ursprünglich für das Fernsehen produzierte Tragikomödie nicht mit ihren Protagonisten ins Gericht. Doch auch hier gilt es, die hinter Worten wie Zusammenhalt und Tradition versteckten wahren Verhältnisse familiärer Bündnisse offenzulegen.

Besetzt ist „Familienfest“ exquisit. Hannelore Elsner hat mit der künstlerisch-dekadenten Exfrau des Jubilars eine Traumrolle ergattert. Zu Elsners Diva setzt Michaela May als treusorgendes Weibchen einen schön ironischen Kontrapunkt. Und auch der Rest (Halmer, Metschurat, Lars Eidinger und weitere) schlägt sich hervorragend.

Viele Dialoge meint man, bereits zu kennen. Doch in dieser Inbrunst können sie auch weitere 1000 Male wiederholt werden, denn sie treffen mitten ins Schwarze. Dass die Handlung irgendwann in Richtung Tragödie kippt, verpasst dem Film zwar eine effektheischend-emotionale Note, hätte aber nicht sein müssen. Die Streitereien der Familie bei Tisch, der Affentanz um den Patriarchen, der Kampf der Kinder gegen den elterlichen Narzissmus, die dienende Frau: All das wird in dem kurz und knackig gehaltenen Drama so scharfsinnig beobachtet, dass sich allein aus diesen Zutaten eine wunderbare Geschichte ergibt.

von Katrin Hildebrand

„Familienfest“

mit Hannelore Elsner

Regie: Lars Kraume

Laufzeit: 88 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Ihnen „Eine schöne Bescherung“ viel zu lustig war.

Rubriklistenbild: © NFP/dpa

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