Filmkritik

"Herr von Bohlen": Portrait über den letzten Krupp

Arnd Klawitter als Arndt von Bohlen und Halbach. salzgeber

André Schäfers „Herr von Bohlen“ ist ein ungewöhnliches Porträt

Vielen Jüngeren wird er kein Begriff mehr sein. In „Herr von Bohlen“ geht es nämlich nicht etwa um „Pop-Titan“ Dieter, sondern um Arndt von Bohlen und Halbach. Er war der sogenannte letzte Krupp, durfte diesen Namen jedoch nicht tragen. Sei’s drum, mag man heute sagen. Schließlich steht Krupp nicht nur für einen Stahlkonzern, sondern auch für die Verquickung mit dem Kaiserreich und eine, vorsichtig ausgedrückt, massive Distanzlosigkeit zum NS-Regime.

André Schäfer hat diesem Menschen nun einen im besten Sinne ungewöhnlichen Film gewidmet. Das meiste über von Bohlen und Halbach erfährt man nicht wie üblich aus Archivmaterial – Krupp wollte schlicht keines zur Verfügung stellen. Stattdessen schlüpft Arnd Klawitter in die Rolle des Mannes, der auf sein Erbe verzichten musste, als schwuler Lebemann durch die Boulevardpresse geisterte und von der Öffentlichkeit verspottet wurde. Was Klawitter mit schräger Pose wiedergibt, sind Originalzitate Arndts. Gerade weil dieses „Reenactment“ distanziert wirkt, treffen die Worte oft hart. Wer einmal durch die historisch lückenhafte Ausstellung in der Villa Hügel, dem Haus der Familie in Essen, spaziert ist und dort die Porträts der Krupps betrachtet hat, weiß, dass Arndt schon optisch nicht in die Sippe passte. Der Film verknüpft zutiefst menschliche Einblicke in das Leben des Herrn von Bohlen mit bissigen Verweisen auf die harten politischen und familiären Bedingungen im Hause Krupp. Besser als das meiste, was es bisher zum Thema gab.

Katrin Hildebrand

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