Filmkritik zu Roland Emmerichs „2012“:

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Hauptdarsteller John Cusack tröstet mit seinem linkischen Charme über manche Länge von „2012“.

Immer wenn Hollywood die Welt untergehen lässt, wird die Zerstörung von Paris zelebriert. Roland Emmerich verzichtet in seinem Endzeit-Spektakel „2012“ auf dieses Klischee und überrascht mit einer frischen Idee.

Bei ihm ist es der Vatikan, der bemerkenswert lustvoll zerlegt wird und an keiner anderen Stelle ist so viel Leidenschaft zu spüren, wie in jenen Szenen, in denen der Petersdom genüsslich demontiert wird.

Zuvor hatte Emmerich sarkastisch gezeigt, was passiert, wenn die Menschen vom baldigen Weltende erfahren: Sie werden blitzartig religiös. Emmerich hat dagegen mit Übersinnlichem erkennbar nicht viel im Sinn und spart sich esoterische Ausschweifungen über die Apokalypse als gerechte Strafe einer sündigen Menschheit. Dieser Ansatz tut dem Film gut.

Zu Beginn nur wird kurz ein Maya-Kalender eingeführt, der am kürzesten Tag des Jahres 2012, also vier Tage vor Weihnachten, endet. Das wird dann sehr vage physikalisch begründet und bevor man Zeit hat, über diesen hanebüchenen Unsinn nachzudenken, geht die Welt auch schon unter: Vulkane brechen aus, es gibt Erdbeben und selbstverständlich gewaltige Tsunamis.

Das alles ist durchaus eindrucksvoll, weil man Emmerich die kindliche Freude anmerkt, mit viel Aufwand alles kaputt zu machen. Aber weil selbst die schönsten Katastrophen irgendwann öde werden, gibt es eine packende Schnitzeljagd, die glaubhaft ist, weil sie einem denkbar einfachem Muster folgt: John Cusack spielt hier einen Wissenschaftler, der seine Kinder, die Ex-Frau und deren neuen Mann retten will, weil er von einem geheimen Projekt der Regierung erfahren hat – es gibt eine neue Arche Noah.

Also rennt, fährt, fliegt und schwimmt man dem Weltuntergang davon, der ihnen natürlich immer knapp auf den Fersen ist. Selbst wenn Emmerich dabei etwas über die Stränge schlägt und mitunter die Wirkung der aberwitzigen Einfälle mit zu viel Spielereien aus dem Computer regelrecht erschlägt, hat man als geneigter Zuschauer dennoch seinen Spaß. Sicher: Nichts davon ergibt auch nur ansatzweise einen Sinn – aber das macht auch nichts, solange das Tempo hoch genug ist, um vom Denken abzulenken. Beliebig lange geht das aber nicht und so erstirbt im letzten Drittel das Interesse. Mit seinen geschlagenen 158 Minuten ist der Film einfach eine gute Stunde zu lang.

Glücklicherweise hat man John Cusack für die Hauptrolle gewonnen, der mit seinem linkischem Charme über so manche Länge tröstet und einen sympathischen Anti-Helden gibt. Und Woody Harrelson hat als irrer Untergangs-Prophet, der das Ende mit offenen Armen erwartet einen grandiosen Gastauftritt. Viel mehr an subversivem Witz gibt es nicht. Wie immer wird die funktionierende Familie als Hort des Glücks gepriesen und wie immer werden all jene bestraft, die auch im Angesicht des Abgrundes nur an sich denken.

Obwohl: Es gibt einen auffallend gehässigen Moment, in dem gefragt wird, nach welchen Kriterien die Glücklichen auf der Arche ausgesucht wurden. Nach Gesundheit und Qualifikation wird geantwortet – während man dicke, alte Männer samt Anhang sieht: Es sind Milliardäre, die sich eingekauft haben. So viel beißende Gesellschaftskritik ist man von Roland Emmerich gar nicht gewohnt. Der wird am Ende noch ein zorniger alter Mann.

von Zoran Gojic 

„2012“ mit Danny Glover, John Cusack Regie: Roland Emmerich

Annehmbar: 3 Sterne

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