Filmkritik & Trailer

"Ich, Earl und das Mädchen": Tieftraurige Realität

Beste Freunde: Earl (RJ Cyler, li.) und Greg (Thomas Mann).

Alfonso Gomez-Rejons Romanverfilmung „Ich, Earl und das Mädchen“ scheitert ein Stück weit an der Wirklichkeit.

Offiziell mag der Film als Tragikomödie durchgehen. Doch so trocken, sarkastisch und verschroben die Geschichte auch angelegt ist: Irgendwann muss sich jeder Zuschauer des neuen Films von Alfonso Gomez-Rejon einer tieftraurigen Tatsache stellen. Der Regisseur hatte im vergangenen Jahr mit dem blendend fotografierten und intelligenten Horrorfilm „Warte, bis es dunkel wird“ sein Spielfilmdebüt gegeben.

Sein neues Werk „Ich, Earl und das Mädchen“ kommt zunächst als liebenswerte Nerd-Geschichte daher. Nerds, das sind im US-Amerikanischen Außenseiter, Fachidioten, Computerfreaks oder Jugendliche, die auf der Highschool nicht unbedingt zu den Beliebtesten gehören. Greg (Thomas Mann) ist ein – wie sollte es anders sein – überraschend gutaussehender Nerd. Bis auf Earl (ziemlich lässig: RJ Cyler) hat er keine Freunde. Gemeinsam drehen die Burschen sonderbare Unsinnsfilme, die – wir ahnen es – in Wahrheit kreative Schmuckstücke sind. Auf Drängen seiner Mutter muss sich Greg mit der Außenseiterin Rachel (Olivia Cooke) anfreunden. Deren schwere Krankheit verändert sein Leben.

Jesse Andrews’ Romanvorlage von 2012 trägt mit „Ich, Earl und das sterbende Mädchen“ den ehrlicheren Titel. Denn ums Sterben geht es. Und das geht zu Herzen, nimmt mit. Da können die putzigen Interieurs ebenso wenig darüber hinwegtäuschen wie die knuffigen Gesichter der jungen Darsteller, die ihren Job gut machen, aber dem Zuschauer niemals das Gefühl geben, sie seien wirklich Nerds, Außenseiter. Earl ist zu cool, Greg und Rachel schlichtweg zu niedlich, zu sarkastisch und zu selbstbewusst. Bisher ist es eigentlich nur US-Regisseur Wes Anderson gelungen, aus veritablen Hollywood-Größen im Film kauzige Spinner zu machen. Andersons Trick: Seine Werke wollen nie zu 100 Prozent wahrhaftig sein, spielen in einer Art Paralleluniversum, schaffen eine neue Welt. Gomez-Rejon allerdings pocht auf seinen Realismus und scheitert ein Stück weit daran.

Katrin Hildebrand

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