Filmkritik & Trailer

"Ich seh Ich seh": Der Horror im Kleinen

„Ich seh ich seh“ beeindruckt als Psycho-Schocker

Ihr Gesicht verbirgt sich unter dicken Binden, als die ehemalige Fernsehmoderatorin von einer Schönheits-OP in ihr Haus auf dem Land zurückkommt. Die Kinder, ein zehn Jahre altes Zwillingspaar, haben sehnlich auf sie gewartet. Umso verstörender ist es, dass ihre Mutter ganz anders ist als vorher. Lieblos, gemein, bösartig. Bei den Buben keimt der Verdacht: Das ist nicht unsere Mama.

Das österreichische Regie-Duo Severin Fiala und Veronika Franz hat mit dem Psycho-Schocker „Ich seh, ich seh“ ein beeindruckendes Spielfilmdebüt vorgelegt, das bereits bei der Uraufführung auf dem Filmfestival Venedig für Furore gesorgt hat. Als Produzent fungierte Star-Regisseur Ulrich Seidl („Paradies Liebe“), Ehemann von Veronika Franz, die auch seine engste Mitarbeiterin ist.

Was den Film so großartig macht, ist, dass er auf die bei Genre-Werken üblichen Vergröberungen und Übersteigerungen verzichtet. Die Schauspielerführung ist realistisch wie in einem Milieudrama. Wo andere auf billige Schockeffekte setzen, wird hier vom Horror im Kleinen erzählt, das Raffinierte liegt in der Nachvollziehbarkeit. Fiala und Franz haben sich für das Ende des Films eine geradezu freudianische Wendung einfallen lassen, die einem David Lynch Ehre machen würde. Neben aller brillant eingesetzter Spannungsdramaturgie ist „Ich seh ich seh“ nicht nur ein Genre-Werk, sondern ein Autorenfilm über das Kino an sich – über die Frage, wie weit man Bildern trauen darf.

Arno Richter

„Ich seh Ich seh“

Darsteller: Lukas und Elias

Schwarz, Susanne Wuest

Regie: Severin Fiala; Veronika Franz

Laufzeit: 99 Minuten

Rubriklistenbild: © SnackTv

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.