Filmkritik & Trailer

Stonewall: Vom Kampf für Gleichberechtigung

Ein Landei in New York: Danny (Jeremy Irvine, re.) findet rasch eine Ersatzfamilie, lernt Ray (Jonny Beauchamp) kennen – und wird Teil des Kampfes der Homosexuellen für ein gleichberechtigtes Leben. Foto: philippe bosse/ warner bros.

Roland Emmerichs neuer Film vom Kampf für Gleichberechtigung „Stonewall“ zeigt die Anfänge der Schwulenbewegung.

Landei Danny (Jeremy Irvine) kommt im Juni 1969 nach New York. Daheim in Indiana ist er rausgeflogen, weil man ihn mit einem Freund bei eindeutig zweideutigen Handlungen erwischt hat. In der Großstadt erhofft er sich endgültig Erkenntnisse über seine sexuelle Orientierung. In der Christopher Street gerät er bald in die entsprechenden Lokale. Inmitten des schillernden Völkchens im Viertel findet Danny eine Art Ersatzfamilie und verknallt sich heftig in einen Aktivisten der Schwulenbewegung (Jonathan Rhys-Meyers). Der meint es allerdings nicht allzu ernst mit ihm – mit der politischen Ausrichtung, dem Kampf für Gleichberechtigung dafür umso mehr.

Auch Danny beteiligt sich an einigen von der Polizei brutal niedergeknüppelten Demonstrationen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 finden schließlich rund um das Lokal „Stonewall Inn“ in der Christopher Street die schwersten Auseinandersetzungen mit den Ordnungshütern statt, die unzählige Menschen wegen „sittenwidrigen Verhaltens“ misshandeln. In jener Nacht widersetzt sich erstmals eine größere Gruppe erfolgreich der Verhaftung. Das löste in den Folgejahren die bis heute gepflegte Tradition der Straßenfeste zum Christopher Street Day (CSD) aus.

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Roland Emmerich, Regisseur von Blockbustern wie „Independence Day“ oder „2012“, zählt zu den wenigen bekennenden Homosexuellen in Hollywood. Man darf daher annehmen, dass ihm diese kleine, unspektakuläre und fast ausschließlich selbst finanzierte Produktion sehr am Herzen liegt. Leider ist aus „Stonewall“ trotzdem kein wirklich guter Film geworden. Denn Roland Emmerich legt sich nicht fest, ob es eher um Danny, dessen Coming-out und weiteres Leben gehen soll – oder um die historischen Ereignisse rund um die Entstehung des CSD. Das ist sehr schade, denn Coming-out-Filme gibt es viele. Doch über den Aufstand, seine Vor- und Nachgeschichte wissen noch nicht genug Menschen Bescheid. „Stonewall“ ist kraftvoll, ambitioniert und schrecklich gut gemeint. Sein eigentliches Anliegen handelt der Film aber erst in den letzten 20 Minuten ab.

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