Filmkritik & Trailer

"Wie Brüder im Wind": Tolle Aufnahmen, plumpe Story

„Wie Brüder im Wind“ zeigt spektakuläre Tier- und Naturbilder, die über die dröge Geschichte etwas hinwegtrösten. Die Filmkritik.

Der Anspruch ist alles andere als bescheiden: Das Leben in der Wildnis so abbilden, wie es ist. Das war das Ziel des Regie-Duos Gerardo Olivares und Otmar Penker. Die fiktive Geschichte eines Buben, der in den Alpen ein Adlerküken rettet und aufpäppelt, sollte kein verniedlichender Kitsch werden. Und tatsächlich sind den beiden atemberaubende Sequenzen gelungen, die man so wohl noch nie auf einer Leinwand gesehen hat.

Einige davon sind deswegen so spektakulär, weil sie unmöglich geplant gewesen sein können. Wenn man Adler dabei beobachtet, wie sie im Hochgebirge ausgewachsene Gemsen jagen und mit ihnen kämpfen, bleibt der Zuschauer sprachlos zurück. Zumal diese Szenen mit einer technischen Brillanz überzeugen, die man im Bereich der Tierfilme in dieser Form nicht kennt. Die Kamera kommt den Adlern in der Luft so nahe, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. Beachtlich ist auch, wie sorgsam vermieden wird, mit der Methode der Vermenschlichung zu arbeiten – in diesem Genre sehr beliebt. Adler sind Raubtiere und erlegen andere Tiere. Das zeigt der Film mitunter drastisch, und das Lobenswerte daran: „Wie Brüder im Wind“ wendet sich eindeutig an ein jugendliches Publikum, ohne sich anzubiedern. Wenigstens soweit es den Teil betrifft, in dem die Tiere im Mittelpunkt stehen.

Problematisch wird es, sobald Menschen auftreten. So geschickt hier Tiere und ihr Leben in Szene gesetzt werden, so plump wird die dazugehörige Geschichte erzählt. Und das liegt bestimmt nicht an den Schauspielern. Der junge Manuel Camacho hat in der Hauptrolle noch Glück: Laut Drehbuch hat der Protagonist nach dem Tod der Mutter keine Lust mehr zu reden – jedenfalls nicht mit Menschen – und darf weitgehend stumm agieren. Tobias Moretti und Jean Reno hingegen – erwiesenermaßen souveräne Vertreter ihres Berufsstandes – werden von Drehbuch und Regie weitgehend im Stich gelassen. Renos Rolle eines freundlichen Waldläufers, der stets ein bisschen frische Hasenleber für den Adler in der Tasche hat, wirkt wie eine Karikatur. Und Moretti muss als überforderter Vater immer gar finster dreinsehen, ob es die Situation nun hergibt oder nicht. Die wunderbaren Tieraufnahmen, sie entschädigen für vieles. Aber das offenkundige Desinteresse der Macher am Erzählen einer Geschichte und an den menschlichen Darstellern macht es einem wirklich nicht leicht dranzubleiben. Immerhin: Am Ende überwiegen die positiven Erinnerungen an überwältigende Naturbilder.

Zoran Gojic

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