Zweiohrküken

Dieses Küken ist gutes Kino-Futter

München - Der Druck muss zu spüren gewesen sein während dieses Filmdrehs. Mit „Keinohrhasen“ hat Til Schweiger einen der erfolgreichsten deutschen Kinofilme gedreht. Nun kommt die Fortsetzung in die Kinos.

6,3 Millionen Menschen sahen die romantische Komödie mit Nora Tschirner als Kindergärtnerin Anna und Schweiger als Macho-Journalist Ludo im Kino. Der Erfolg damals hat sicher auch Schweiger überrascht. Logisch, dass der Schauspieler und Regisseur an diesen mit der Fortsetzung „Zweiohrküken“ anknüpfen will.

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Dieses unbedingte Wollen ist dem Film zu Beginn auch anzumerken: Gag folgt auf Gag – auch wenn manchmal das Niveau, auf dem gelacht wird, abrutscht und die erzählerische Leichtigkeit schwindet, die den Charme des ersten Teils ausmachte. Wir erleben Anna und Ludo in ihrem Alltag als Paar – mit allem Stress: Sie nervt, dass er nicht den Müll rausbringt und seine Fußballklamotten auf dem Boden liegen lässt. Ihn stört, dass sie sich nicht entscheiden kann, was sie anziehen soll. Dann tauchen Ex-Freunde der beiden auf und Eifersucht kocht hoch – erst bei ihr, dann (obwohl er sich über sie lustig gemacht hat) auch bei ihm. Eine Irrfahrt der Gefühle beginnt, die – so viel darf verraten werden – natürlich glücklich endet.

Wie bei „Keinohrhasen“ ist es auch bei „Zweiohrküken“ nicht die Handlung, die diesen Film ausmacht. Große Überraschungen gibt es hier nicht. Aber wie im ersten Teil zeigt Schweiger auch jetzt, dass er es versteht, filmisch zu erzählen, dass er Szenen in unterhaltsame Bilder auflösen und mit seiner Geschichte unterhalten kann. Auch „Zweiohrküken“ ist also gutes Kino-Futter. Und eben das ist ein Grund, warum uns gut gemachte Variationen bekannter Geschichten nicht langweilen. Zusammen mit Anika Decker hat Schweiger zudem einige sehr knackige Dialoge ins Drehbuch geschrieben, die dem Leben abgeschaut sind und daher Wiedererkennungswert haben.

Reduziert hat er dagegen die Kurzauftritte bekannter Gesichter. Die große Star-Parade fällt dieses Mal aus, lediglich Boxer Wladimir Klitschko und Sängerin Yvonne Catterfeld sehen wir in einer kleinen Nebenhandlung. Eine Entscheidung, die richtig war. Denn das Schaulaufen der VIPs in „Keinohrhasen“ ließ vermuten, dass Schweiger versucht hat, für wirklich jede Zielgruppe einen Liebling auf die Leinwand zu bekommen.

Promis braucht es aber gar nicht, da er auf seine bewährten „Keinohrhasen“-Hauptdarsteller setzt: Nora Tschirner spielt Annas Eifersucht so herzig, ihre Verlustängste so verständlich, dass man sie nur trösten will. Und dennoch ist sie zugleich so gefühlsplump, dass sie nicht verstehen kann, warum Ludo derart panisch auf ihren Ex reagiert. Matthias Schweighöfer bekommt als Ludos Freund Moritz endlich wieder einmal die Chance, zu zeigen, welch irrer Komiker in ihm steckt. Vogelwild! Nach der ersten halben Stunde weicht auch die Anspannung und der Druck, den ersten Teil überbieten zu müssen. Schweiger erzählt dann einfach eine schöne, schräge, traurige, kitschige Geschichte von Liebe und Eifersucht. Er tut das mit Gespür für Komik, Tempo und mit Zuneigung für seine Figuren.

Sollte die alte Kinoregel stimmen, dass der zweite Teil von Trilogien der schwächste ist, weil er Teil eins und drei verbinden muss, dann dürfen wir jetzt schon gespannt auf „Dreiohr...“ sein. Schließlich wird es allmählich Zeit, dass Anna und Ludo eine Familie gründen. Oder?

von Michael Schleicher

„Zweiohrküken“ mit Nora Tschirner

Regie: Til Schweiger

Sehenswert: 4 Sterne

Rubriklistenbild: © Warner Bros. Ent.

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