Shutter Island: Spannungskino vom Feinsten

+
Sie kommen mit dem Schiff auf die Gefängnisinsel „Shutter Island“, um ihren Fall aufzuklären: Polizist Teddy (Leonardo Di Caprio, re.) und sein Partner Chuck (Mark Ruffalo).

Gewieft führt Regisseur Martin Scorsese das Kinopublikum durch ein Labyrinth des Wahnsinns bewusst in die Irre. Lesen Sie hier warum Sie "Shutter Island" nicht verpassen sollten.

Ach ja, die Fünfzigerjahre, der Kalte Krieg, die McCarthy-Ära: Das waren noch Zeiten, als man unliebsame US-Bürger wegen „unamerikanischer Untriebe“ verfolgen durfte, als man psychisch kranke Straftäter noch „gemeingefährliche Irre“ nannte, sie in Klapsmühlen misshandelte und zu dubiosen Experimenten missbrauchte – nach dem Motto der guten alten Psychiatrie-Schule: „Erst mal den Schädel aufschneiden und dann weitersehen!“ In dieser seligen Periode der Paranoia und der Repression, perfekt geeignet für Psychothriller, spielt „Shutter Island“, Martin Scorseses brillant bebilderte Leinwand-Adaption des Bestsellers von „Mystic-River“-Autor Dennis Lehane.

Der Held der Geschichte, oscarreif gespielt von Leonardo DiCaprio, heißt zwar Teddy, ist aber kein Weichei, sondern ein kerniger Polizist, der zusammen mit seinem Partner Chuck (Mark Ruffalo) auf eine geheimnisumwitterte Gefängnisinsel vor der Bostoner Küste geschickt wird. Dort soll er den Fall einer aus einer psychiatrischen Anstalt verschwundenen Mörderin aufklären. Durchtriebene Patienten und dubiose Ärzte werfen den Ermittlern einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Schon bald ahnt man als Zuschauer, dass der ausgesprochen höfliche und kultivierte Anstaltsleiter etwas zu verbergen hat – zumal er von Ben Kingsley verkörpert wird. Nach und nach erhärtet sich der Eindruck, dass die Gefangenen für medizinische Versuche herhalten müssen...

Mehr soll hier nicht verraten werden, denn der düstere, etwas zu lang geratene Thriller lebt von faustdicken Überraschungen: Wie ein gewiefter Jahrmarktdirektor führt Scorsese das Kinopublikum durch ein Labyrinth des Wahnsinns bewusst in die Irre. Bisweilen trägt der Perfektionist bei seinem Geisterbahn-Trip mit tobenden Stürmen, peitschendem Regen und donnernden Musikklängen etwas dick auf, doch ansonsten spielt er virtuos auf der Klaviatur des Spannungskinos: Eine ausgeklügelte Kameraführung, aufwändig-gruselige Sets und surreale Albtraumsequenzen sorgen für eine beklemmend klaustrophobische Atmosphäre.

Dieses Kabinett des Dr. Scorsese ist bis in die kleinsten Nebenrollen grandios besetzt – doch Leonardo DiCaprio, der in jeder Szene zu sehen ist, trägt den Film fast allein. Nach „Gangs Of New York“, „Aviator“ und „Departed“ hat der Meisterregisseur seinen Meisterschüler nun erneut bis zum Äußersten getrieben: Mit feuriger Intensität, furchentiefen Stirnfalten und fiebrig flackerndem Blick stürzt sich Scorseses Zauberlehrling in die facettenreiche Rolle des traumatisierten Cops – geplagt von Migräne, gemartert von Visionen, getrieben von permanenter Hochspannung. Da bekommt man schon allein vom Zuschauen Schweißausbrüche: Das ist Horrorkino vom Feinsten!

von Marco Schmidt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.