Klassiker in der Real-Verfilmung

Filmtrailer zu "Heidi": Charmante Rebellin mit Herz

Wirbeln gemeinsam über die Almwiesen: der Geißenpeter (Quirin Agrippi) und Heidi (Anuk Steffen).
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Wirbeln gemeinsam über die Almwiesen: der Geißenpeter (Quirin Agrippi) und Heidi (Anuk Steffen).

Alain Gsponer gelingt es mit seiner „Heidi“-Verfilmung, den Zauber der Romanvorlage hervorzukitzeln. Und das ganz ohne den Stoff gezwungen an die heutige Zeit anzupassen.

Klassiker kommen immer wieder. Die letzte Real-Verfilmung des Kinderbuchs von Johanna Spyri liegt zehn Jahre zurück, da war es wohl an der Zeit, die nächste „Heidi“ auf den Weg zu bringen. Zwischendurch wurde die Geschichte um das lebenslustige Mädchen und den griesgrämigen Großvater freilich auch im Trickserienformat neu aufgegossen und den zeitgemäßen Maßstäben mehr oder weniger gelungen angepasst. Alain Gsponers neueste Version passt sich nicht an.

Sowohl mit Literaturverfilmungen als auch mit Kinderstoffen hat sich der Schweizer bereits einen Namen gemacht. Dem Thema Heidi hatte er sich schon 1998 zugewandt, mit einem kurzen Animationsfilm, der das Heidi-Image der Schweiz beleuchtet. All diese Erfahrungen kamen ihm nun zugute. Seine „Heidi“ ist selbstbewusste Unterhaltung und geht weit darüber hinaus. Gewaltsam aktualisiert wurde nichts. Statt mit Smartphone durch eine futuristische Einöde zu tapern, wirbeln Heidi (Anouk Steffen), der Geißenpeter (Quirin Agrippi) und (etwas langsamer) der Almöhi (Bruno Ganz) klassisch altmodisch über die Almwiesen. Die Stadt Frankfurt wirkt mit ihren staubigen Marktstraßen beinahe mittelalterlich, und die Darsteller verpassen ihren Figuren einen herrlich nostalgischen Charme.

Mit großer Leichtigkeit gelingt es Gsponer, den Zauber des Romans hervorzukitzeln und trotz der klassischen Umgebung in die Gegenwart zu transferieren. Seine Heidi ist eine Freiheitsheldin, eine liebenswerte Rebellin mit Herz, Verstand und Menschenliebe. Sie lockt ihre Gegner und Freunde aus dem seelischen Panzer und geistigen Korsett.

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Bruno Ganz, der den missmutigen Almöhi spielt, im Interview mit unserer Kultur-Redaktion.

Diese intellektuelle Stärke der Geschichte spiegelt sich in den Bildern: Die ebenso schroffe wie liebliche Landschaft steht nicht für das Menschenfeindliche der Natur, sondern für die Idee von einem innerlich autonomen Leben. Die schwärmerischen Gesten der jungen Protagonistin wiederum verleihen dieser Autonomie humane Züge, sie plädieren für Empathie mit den anderen, ein Gefühl, das Heidi ihrem Almöhi erst wieder beibringen muss.

Bis in die Nebenrollen (Peter Lohmeyer als Diener Sebastian, Hannelore Hoger als Großmama Sesemann, Resi-Schauspieler Markus Hering als Doktor) ist der Mix aus Abenteuerfilm, Seelendrama und Komödie wunderbar besetzt. Bestechend ist der große Humor und sind die vielen liebevollen Details. Statt etwa den bewährt idealisierten Herrn Sesemann (Maxim Mehmet), eine Projektion des ewig absenten Übervaters, serviert uns der Regisseur einen überforderten Businessmenschen, der ganz schön zickig sein kann. Witzig, kritisch und einfach gut.

„Heidi“

mit Bruno Ganz

Regie: Alain Gsponer

Laufzeit: 111 Minuten

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